Vogelkundler fordert Steuer für Katzen

Eine amerikanische Studie besagt: Katzen seien für das Aussterben von weltweit 33 Vogelarten verantwortlich. Der Ornithologe Peter Berthold fordert daher eine Steuer für Katzen. Tierschützer halten die Steuer für den falschen Weg.

Katzensteuer zum Schutz der Vogelvielfalt? (Foto: barbourians/ Flickr)

Katzensteuer zum Schutz der Vogelvielfalt? (Foto: barbourians/ Flickr)

Der langjährige Leiter der Vogelwarte am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell (Kreis Konstanz) Peter Berthold fordert, Katzenbesitzer sollen zukünftig 30 Euro jährlich für ihre Samtpfoten zahlen. Der Grund: Katzen gefährden durch ihre Jagd auf Vögel die Artenvielfalt. „Sie können in der Lage sein, beträchtliche Populationen ohne weiteres auszurotten.“, so der Ornithologe in der Berliner Morgenpost.

Bereits 33 Vogelarten ausgerottet

Berthold bezieht sich dabei auf die im Online-Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlichte amerikanische Studie „The impact of free-ranging domestic cats on wildlife of the United States“. Laut der Studie seien Katzen für das Aussterben vieler Vogelarten verantwortlich – allein die Ausrottung von 33 Vogelarten soll auf deren Kappe gehen. Die Studie besagt, jede Katze erbeute pro Jahr mindestens 40 Vögel. Hinzu kommen rund 200 kleine Säugetiere sowie viele Eidechsen, Amphibien, Schlangen, Insekten und Schmetterlinge.

Acht Millionen Katzen in Deutschland

Ungefähr acht Millionen domestizierte Katzen leben in Deutschland, so Berthold. Davon sind rund zwei Millionen Freigänger oder verwilderte Katzen. Da sich diese Tiere in der freien Wildbahn ernähren, würden rund 50 Millionen Vögel in Deutschland jährlich als Katzenfutter enden.

Katze bei der Jagd (Foto: Robbie1/ Flickr)

Katze bei der Jagd (Foto: Robbie1/ Flickr)

Aus diesem Grund fordert er die sogenannte „ökologische Ausgleichssteuer“. Mithilfe dieser Abgabe „würde sich die Zahl um mindestens die Hälfte reduzieren“, glaubt Berthold. Er verlangt, alle Katzenbesitzer müssten 30 Euro jährlich zahlen. Die Katzen würden dann eine Steuermarke erhalten – so wie man das bereits von Hunden kennt. Katzen, die keine Steuermarke haben, würden dann aufgesammelt, kastriert und ins Tierheim gebracht, so der Vorschlag von Berthold.

Natur- und Tierschützer gegen Katzensteuer

Der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg hält nichts von dieser Katzensteuer, wie der Sprecher Hannes Huber der Berliner Morgenpost erklärt. Er sagt: „Für Bodenbrüter wie die Feldlerche kann das schon schwierig sein.“ Dennoch seien die Auswirkungen im Naturschutz nicht für gravierend wie sie Berthold beschreibt. „Katzen sind Opportunisten, die jagen einfach das, was sie vor die Schnauze kriegen, also die häufigsten Arten.“

Zudem befürchtet Huber, dass die Steuer das Problem eher noch verschärfen würde. Bereits als die Hundesteuer eingeführt wurde, wurden viele Hunde einfach auf die Straße gesetzt. Dasselbe könnte dann auch vielen Katzen drohen. Damit würde sich die Zahl der freilaufenden Katzen also rapide erhöhen. D.h. dann würden noch viel mehr Katzen Jagd auf Vögel machen. Ähnlich sieht es auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder. Auch er befürchtet das Aussetzen vieler Katzen, weil „Tierhalter die unerwarteten Kosten nicht aufbringen können oder wollen“. Natur- und Tierschutzbund sind sich einig: Viel sinnvoller wäre ein Appell an die Katzenhalter, die Tiere sterilisieren oder kastrieren zu lassen.

Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg bekräftigt die Argumentation von Huber und Schröder. Eine Sprecherin sagt der Morgenpost, Bertholds Ansichten seien „Panikmache“. Nicht nur, dass die Studie nicht auf Deutschland übertragbar sei und methodische Mängel aufweise. Bisher gäbe es keine Beweise, dass Katzen hierzulande eine Reduzierung der Singvogelpopulation hervorgerufen hätten.

 

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