Wie sehen Katzen?

Schon die alten Ägypter waren von den Augen der Katze fasziniert. Zum einen war da dieses geheimnisvolle Leuchten der Augen in der Dunkelheit. Zum anderen glaubten sie, dass die Veränderung der Pupille von kreisrund zu schlitzförmig in enger Verbindung zu Sonne und Mond stehen würden. Faszinierend ist das Katzenauge allemal, denn es ist ein hochspezialisiertes Sehorgan. Doch wie sehen Katzen eigentlich genau?

Wie sehen Katzen

Katzenauge (Foto: HamburgerJung/ Flickr)

Das Sehen bei Katzen wird erlernt

Alle optischen Fähigkeiten der Katze müssen erst erlernt werden, denn Katzen werden zunächst blind geboren. Erst nach acht bis 20 Tagen öffnen sie das erste Mal ihre Augen. Damit beginnt für die Katze der Prozess der Aneignung optischer Reize, der erst mit ca. 12 Wochen abgeschlossen ist. Das ist übrigens auch der Zeitpunkt, an dem die Katze ihre eigentliche Augenfarbe annimmt. Vorher sind die Augen bei allen Kätzchen blau.

Das Katzenauge – ein hochspezialisiertes Sehorgan

Die Augen der Katze sind nach vorne ausgerichtet. Dadurch überschneiden sich die Sehachsen, was der Katze wiederum zu einem besseren räumlichen Sehvermögen verhilft. Damit besitzen Katzen einen Blickwinkel von ca. 220 °. Diese Fähigkeit der dreidimensionalen Orientierung ist eine elementare Voraussetzung für die Jagd. Auf diese Weise gelingt Katzen die Beurteilung von Entfernung, Ausdehnung und Tiefenstaffelung, um ihre Beute mit einem gezielten Tatzenhieb zu erwischen. Bei der Siam Katze ist das räumliche Sehen übrigens nicht so exzellent ausgeprägt – daher sind sie bei der Jagd auch nicht sonderlich erfolgreich. Katzen ist es jedoch nur in geringem Maße möglich, ihre Augen nach links oder rechts zu bewegen. Daher müssen sie bei jedem Blick in eine andere Richtung immer den Kopf drehen.

Wie sehen Katzen Katzenauge

Wie sehen Katzen? (Foto: aturkus/Flickr)

Das Auge der Katze wird zudem durch drei Lider geschützt. Wie wir Menschen haben sie ein bewegliches oberes und ein unbewegliches unteres Augenlid. Das dritte Lid (Nickhaut) ist eine dünne Membran im Augenwinkel. Diese Membran ist dafür zuständig, dass das Katzenauge stets mit genügend Tränenflüssigkeit versorgt wird. Bei uns wird die Tränenflüssigkeit durch Blinzeln produziert – Katzen müssen also nicht blinzeln.

Katzen sehen im Dunkeln

Da Katzen meist in der Dämmerung jagen, sind ihre Augen an diese Lichtverhältnisse angepasst. So ist es der Katze möglich, auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr gut zu sehen. Zum Vergleich: Menschen sehen bei Dunkelheit ungefähr nur 50 % dessen, was Katzen wahrnehmen. Der Grund dafür ist, dass das Auge der Katze deutlich empfindlicher ist, als das des Menschen. So besitzen Katzen eine sehr hohe Dichte an visuellen Rezeptoren und Sehstäbchen, die die Netzhautzellen besonders lichtempfindlich machen. Um die Augen vor zu viel Licht zu schützen, verengen sich die Pupillen der Katze bei Tageslicht zu kleinen Schlitzen. Bei zunehmender Dunkelheit weiten sich die Pupillen langsam aus und werden groß und kreisrund. Die Ausdehnung der Pupille ist bei Katzen dreimal so stark wie bei Menschen. Auf diese Weise kann mehr Licht auf die Netzhaut einfallen, das dann für die Nacht genutzt wird. Da das Auge der Katze zudem deutlich mehr Sehstäbchen enthält (Katzen haben 460.000 Stäbchen pro mm²; Menschen nur 160.000 pro mm²), die das Dämmerungssehen fördern, sind Katzen auch im Dunkeln so gute Seher. Verstärkt wird das einfallende Licht zudem durch eine spiegelähnliche Schicht, das Tapetum lucidum (lat: leuchtender Teppich). Diese reflektierende Pigmentschicht besteht aus hochreflektierendem Zink und Eisen. Das Tapetum lucidum sorgt dafür, dass Licht, welches im Auge nicht absorbiert wurde, nochmals auf die Netzhaut zurückgeworfen wird. Das Licht passiert die Netzhaut also ein zweites Mal. Das Tapetum lucidum ist übrigens auch für das Leuchten der Katzenaugen im Dunkeln verantwortlich, wenn diese angestrahlt werden.

Wie sehen Katzen Leuchten

Katzenaugen leuchten, wenn sie angestrahlt werden (Foto: jack_spellingbacon/ Flickr) 

Sehen Katzen in Farbe?

Lange Zeit glaubte man, Katzen seien farbenblind und könnten nur Schwarz und Weiß wahrnehmen. Doch das war ein Irrtum – wie man heute weiß, können Katzen einige Farben unterscheiden. Die Augen von Katzen besitzen jedoch deutlich weniger Zäpfchen, die für das Farbensehen verantwortlich sind. So haben Menschen über 146.000 Zapfen pro mm² und Katzen nur 26.000 pro mm². Katzen besitzen zwei Typen von Zapfen: Die Zapfen, die für Gelb und Blau empfindlich sind. Somit können Katzen die Farben Gelb, Grün und Blau sehen – wobei sie für Blau am empfindlichsten sind. Rot wird von Katzen jedoch nicht wahrgenommen. Vermutlich wird Rot für sie nur als ein gelblicher Farbton dargestellt.

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