Arthrose bei Katzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Lange glaubte man, die Erkrankung sei nur bei Hunden ein Thema. Doch wie neuere Studien herausfanden, ist Arthrose bei Katzen weit verbreitet. Hier kannst du alles zur Gelenkerkrankung nachlesen!

Arthrose bei Katzen
Arthrose bei Katzen ist ein häufiges Problem bei älteren Katzen

Wie häufig ist Arthrose bei Katzen?

Der chronische Arthroseschmerz bei Katzen war in der Veterinärmedizin bis vor ein paar Jahren ein unbeachtetes Gebiet. Lange Zeit glaubte man, Katzen hätten aufgrund ihres geringen Gewichts nur selten Probleme mit den Gelenken. Verschiedene Studien, die in den letzten 15 Jahren veröffentlicht wurden, zeigen leider, dass dies ein Irrtum war. So ist Arthrose bei Katzen sehr wohl ein Thema. Man fand heraus, dass rund 90 Prozent aller Katzen über 8 Jahre an Osteoarthrose (wie man es in Fachkreisen nennt) leiden. Sogar sehr junge Katzen sind betroffen. Insgesamt geht man davon aus, dass rund ein Drittel aller Katzen Gelenkprobleme aufweist.

Betroffen sind bei der Katze am häufigsten die Ellenbogen. An zweiter Stelle stehen Gelenkprobleme an der Hüfte, dann kommen Knie und Schultern.

Was ist Arthrose? Wie entsteht sie?

Arthrose ist im Grunde genommen eine Verschleißerscheinung der Gelenke. Sie tritt infolge chronischer Gelenkerkrankung auf. Diese Gelenke weisen verschiedene Schäden, unter anderem am Gelenkknorpel, auf. Zudem lassen sich bei Arthrose bei Katzen der Verlust von Knorpelgewebe, überschießendes, wildes Knochengewebe, eine verdickte Gelenkkapsel sowie minderwertige, flüssigere Gelenkschmiere (Synovia) feststellen. Die degenerativen (durch Verschleiß hervorgebracht) Umbildungen schränken das Gelenk in seiner Bewegung ein. Es kommt zum Gelenkschmerz.

Ausgelöst wird dieser Prozess häufig durch einen Defekt im Knorpel. Dem folgt eine Entzündung der Synovialmembran, die daraufhin anschwillt. Infolgedessen bildet der Körper verstärkt Gelenkschmiere, die jedoch viel zu dünn ist, um den Knorpel effektiv zu schützen. Die Menge der Synovia nimmt weiter zu, so dass es zum sogenannten Reizerguss kommt. Dieser sorgt wiederum dafür, dass das Gelenk anschwillt, weniger beweglich wird und Schmerzen erzeugt. Diese Gelenkentzündung wird auch als Arthritis bezeichnet. Wird Arthritis chronisch, führt sie zu irreversiblen Schäden an den Gelenken. Dann spricht man auch von Arthrose bei Katzen.

Ein Teufelskreis, denn durch die Gelenkentzündung beginnt der Organismus mit einer Art Wiederherstellungsprozess. Er will die Kapsel stärken und bildet daher große Mengen an Bindegewebe. Außerdem kommt es zur Produktion von wildem Knochengewebe, das die Gelenkkapsel zusätzlich entlasten soll. Dieser Umbau im Körper ist nicht mehr umkehrbar.

Nun kommen die Schmerzen durch die Gelenkentzündung hinzu, weshalb die Katze eine Schonstellung einnimmt. Die betroffenen Gelenke werden nicht bzw. so wenig wie möglich belastet. Was für uns logisch erscheint (weil wir es genauso machen würden), hat jedoch auch seine Tücken. Wird das verletzte Gelenk nicht bewegt, produziert der Körper auch keine qualitativ hochwertige Gelenkschmiere. Es fehlt damit an einem Gleitmittel, der Knorpel wird zudem nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, was ihn noch anfälliger für weitere Schäden macht. Es kann zu neuen Entzündungen kommen und die Katze leidet unter weiteren Schmerzen und geht wahrscheinlich dazu über, sich noch weniger zu bewegen. Darüber hinaus werden die anderen, noch gesunden Gelenke durch Überbelastung in Mitleidenschaft gezogen.

Arthrose bei Katzen Bewegung
Geschmeidige und elegante Bewegungen der Katze – bei Arthrose ändert sich das

Hintergrund zum Bewegungsapparat

Katzen sind bekannt für ihre geschmeidigen und harmonischen Bewegungen. Sie springen, klettern und bewegen sich mit einer unglaublichen Eleganz. Das Zusammenspiel aus Muskeln, Knochen, Sehnen, Bändern und Gelenken scheint perfekt. Nach neuesten Erkenntnissen ist jedoch klar, die Gelenke der Katze sind die Achillesferse ihres Bewegungsapparats, die mit steigendem Alter immer mehr leiden.

Während bei jungen Katzen der Gelenkknorpel ein dickes und elastisches Kissen an den Knochenenden darstellt, zeigen sich mit den Jahren Verschleißerscheinungen. Nicht nur die Elastizität lässt nach, sondern auch die zunächst glatte Oberfläche des Knorpels wird rau. Das hindert folglich die Knochen daran bei Bewegungen (z. B. Beugen und Strecken) geschmeidig aneinander zu gleiten. Hinzu kommt, dass auch die Gelenkschmiere nicht mehr zähflüssig, sondern qualitativ minderwertiger ist. Bei jungen Katzen sorgt sie zum einen zuverlässig für die Gleitfähigkeit der Gelenkknorpel und zum anderen versorgt sie ihn auch mit Nährstoffen, da er nicht durchblutet wird. Mit steigendem Alter weist die Gelenkschmiere eher eine dünnflüssige Struktur auf – der Gleitfilm des Knorpels ist nicht mehr sichergestellt. Was passiert? Bei Bewegungen reiben die Gelenkoberflächen direkt aufeinander – es kommt zur Abnutzung des Knorpels. Der Prozess der degenerativen Gelenkveränderungen beginnt.

Ursachen für Arthrose

In den meisten Fällen lassen sich die Ursachen von Arthrose bei Katzen nicht mehr genau feststellen. Es sind jedoch verschiedene Ursachen denkbar. Am häufigsten wird die altersbedingte Degeneration angenommen. Möglich sind aber auch Traumata wie z. B. Kniebandrisse, aber auch Wachstumsstörungen, Virusinfektionen (z. B. Coronavirus) sowie Autoimmunerkrankungen.

Begünstigt wird Arthose zudem, wenn Katzen übergewichtig sind. Aufgrund des übermäßigen Gewichts werden die Gelenke stärker beansprucht, so dass eine Schädigung forciert wird.

Hinzu kommt, dass Katzen – so wie wir auch – immer älter werden. Somit wird sich Arthrose bei Katzen auch verstärkt zeigen. Während Katzen in den 60er Jahren nicht viel älter als 10 Jahre alt wurden, erreichen viele Tiere heute ein Alter von rund 17 Jahren. Das heißt, es ist auch wichtig, dass wir als Katzenhalter dieses Thema auf dem Schirm haben und mögliche Anzeichen schnell erkennen.

Verursacht die Gelenkerkrankung Schmerzen?

Man kann in jedem Fall davon ausgehen, dass Katzen mit Arthose Schmerzen haben. Wie stark die allerdings sind, ist nicht so einfach festzustellen. Zum einen können sie uns nicht einfach sagen, wo es ihnen weh tut. Zum anderen sind Katzen wahre Meister darin, vermeintliche Beschwerden und Schmerzen zu verstecken. Sie leiden eher still und zeigen uns ihre Schmerzen eher auf Umwege. Daher ist es wichtig, dass wir entsprechende Warnsignale wahrnehmen. Denn mit chronischen Schmerzen wird nicht nur die Lebensqualität deiner Katze eingeschränkt, Schmerzen gehen auf Dauer auch einfach an die Substanz. Und auch Schmerzen können wiederum krank machen. Katzen, die lange unter den Schmerzen ihrer Arthrose leiden, können unter anderem durch ein geschwächtes Immunsystem krankheitsanfälliger sein. Zudem kann es zu einer schlechteren Futteraufnahme und/oder Verwertung kommen, die eine stetige Gewichtsabnahme nach sich zieht.

Für Tierärzte ist es zudem noch schwieriger, Schmerzen bei Katzen zu diagnostizieren. Unsere Mithilfe bei der Diagnose von Arthrose bei Katzen ist somit absolut notwendig. Wir kennen unsere Tiere einfach am besten und können Veränderungen sehr viel schneller erkennen.

Symptome: Hat deine Katze Arthrose?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf Arthrose bei Katzen hindeuten können. Achte auf folgende Veränderungen:

  • deine Katze bewegt sich anders: Ihr Gang ist langsamer und/oder steifer. Lahmheit ist hingegen sehr selten zu beobachten.
  • sie räkelt sich eher selten
  • deine Katze hat keine Lust mehr zu spielen
Arthrose bei Katzen vermeiden Bewegung
Katzen mit Arthrose vermeiden Bewegung
  • sie bewegt sich im Allgemeinen deutlich weniger
  • Freigänger-Katzen suchen nicht mehr so oft die Freiheit und ziehen sich lieber in der Wohnung zurück
  • Schlafplätze, die recht hoch sind, werden plötzlich nicht mehr aufgesucht, niedrigere Orte werden bevorzugt
  • sie zögert vor Sprüngen
Arthrose bei Katzen Sprünge
Sprünge und schmerzhafte Bewegungen werden gemieden
  • Vernachlässigung der Fellpflege: Einige Stellen werden gar nicht mehr geputzt, weil sie wahrscheinlich nur unter Schmerzen herankommt
  • auch der Gegensatz ist möglich: Sie leckt sich vermehrt an den schmerzenden Stellen
Arthrose bei Katzen lecken
Schmerzhafte Stellen werden häufig auch übermäßig geleckt
  • deine Katze schützt oder versteckt womöglich schmerzende Bereiche
  • sie möchte nicht mehr hochgenommen werden
  • bei Berührung bestimmter Körperstellen reagiert sie aggressiv
  • Veränderungen im Gesichtsausdruck: erweiterte Pupillen, häufiges Blinzeln
  • veränderte Lautäußerungen: Vielleicht knurrt und faucht sie vermehrt, vor allem Artgenossen gegenüber; vielleicht klagt oder wimmert sie auch oder schnurrt häufiger und lauter; ebenso kann es sein, dass sie sich plötzlich ganz still verhält und keinen Laut mehr von sich gibt
  • sie ist anhänglicher als früher und sucht ständig deine Nähe
  • oder sie zieht sich eher zurück, meidet dich sowie andere Menschen und Tiere
  • möglich ist auch, dass sie aggressives Verhalten zeigt
  • unter Umständen hat sie weniger Appetit
  • auch Verstopfung oder Inkontinenz sind denkbar

 

Diagnose

Erste Hinweise auf Arthrose bei Katzen erhält der Tierarzt, wie bereits angesprochen, durch Beobachtungen des Katzenhalters. Dann wird er in jedem Fall die Gelenke deines Tieres untersuchen, sie strecken und beugen. Auf diese Weise kann er Veränderungen an den Gelenken ertasten. Die Verdachtsdiagnose kann im Anschluss durch Röntgen bestätigt werden.

Behandlung & schmerzlindernde Medikamente

Eine Heilung für Katzen mit Arthrose gibt es leider nicht. Allerdings lassen sich einerseits die Schmerzen lindern und andererseits das Fortschreiten der Erkrankung durch entsprechende Behandlung verlangsamen. Allein, um deiner Katze ein Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen, ist es wichtig, zum Tierarzt zu gehen – lieber früher als später.

Er wird nach Diagnosestellung den Fortschritt der Arthrose deiner Katze ermitteln und daraufhin einen Behandlungsplan aufstellen, der auf deine Katze abgestimmt ist. Leidet deine Katze bereits unter Schmerzen wird eine medikamentöse Schmerzbehandlung mit entzündungshemmender Wirkung ein wichtiger Teil sein. Entscheidend ist, dass die Medikamente kontinuierlich verabreicht werden, damit die Entzündungen auch zurückgehen.

Hinweis: Bitte nicht eigenmächtig Medikamente, die für uns Menschen gedacht sind, an deiner Katze testen! Der Stoffwechsel von Katzen funktioniert ganz anders, schon kleine Dosierungen können lebensgefährlich sein! Daher Arzneimittel nur in Absprache mit dem Tierarzt geben!!!

Arthrose bei Katzen kann nicht nur mit Schmerzmitteln behandelt werden. Man kann die Funktion der Gelenke auch mit bestimmten Nährstoffen unterstützen. Diese gelenkunterstützenden Stoffe sind unter der Abkürzung DMOA (disease modifying osteoarthritis agents) bekannt. Sie sind wichtig für den Gelenkstoffwechsel und wirken teilweise auch entzündungshemmend. Bekannt für den Einsatz von Arthrose bei Katzen sind unter anderem:

  • Glykosaminoglykane (GAGs): Praktisch ist das Glucosamin von Nehls Gelenk-Stark, da es geschmacksneutral ist und somit bei der Verabreichung kaum auf Widerstand stößt
  • Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren; im Besonderen EPA und DHA
  • Antioxidanzien wie Vitamin E

Tipp: Grünlippmuschelextrakt vereint in sich GAG, Omega-3-Fettsäuren, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Es wird nicht nur bei Katzen mit Arthrose, sondern auch bei anderen Tierarten eingesetzt. Es gibt zum einen Spezialfutter, das mit Grünlippmuschelextrakt angereichert ist. Allerdings muss man da genauer hinschauen, ob die Konzentration des Extraktes auch sinnvoll ist. Zum anderen gibt es aber auch Nahrungsergänzungsmittel, die man dann selbstständig beim Katzenfutter untermengt.

Was kannst du bei Arthrose für deine Katze tun?

Es gibt Erkrankungen, da ist man regelrecht hilflos. Arthrose bei Katzen gehört allerdings nicht dazu. Es gibt tatsächlich so einiges, was du kannst, um das Leben deiner Samtpfote angenehmer und schmerzfreier zu gestalten.

Hinweis: Die folgenden Tipps sollten aber in Kombination mit einem Tierarztbesuch und entsprechender Behandlung stehen. Sie ersetzen nicht die Hilfe und schmerzlindernden Mittel des Tierarztes!!!

Tipp 1: Bewegung fördern

Das A und O ist Bewegung – im Übrigen nicht nur bzw. erst bei erkrankten Tieren. Denn, bei zu wenig Bewegung wird auch zu wenig Gelenkschmiere produziert und damit die Erkrankung weiter befeuert. Fordere deine Katze daher täglich zum Spiel auf. Achte allerdings darauf, dass große Anstrengungen für die Gelenke wie hohe Sprünge vermieden werden. Als Faustregel kannst du dir merken: „regelmäßig und mäßig“.

Tipp 2: Warmer Schlafplatz

Sorge dafür, dass deine Katze nicht zugiger Luft oder feuchtem Boden ausgesetzt ist. Der optimale Schlafplatz ist ruhig, trocken, warm und zugfrei. Normalerweise lieben Katzen Plätze mit Aussicht, schön weit oben. Hier sollte man bei Katzen mit Arthrose Abstriche machen. Der Platz sollte eher niedrig und ohne große Sprünge gut erreichbar sein. Damit kommen wir zu Tipp 3.

Arthrose bei Katzen Hilfe
Eine tolle Hilfe für eine Katze mit Arthrose

Tipp 3: Alltagshilfen

Da es enorm wichtig ist, die Gelenke deiner Katze vor Überanstrengung zu schützen, schau doch einfach mal, wie du ihr den Alltag erleichtern kannst. Vielleicht stellst du einen Schemel bzw. Hocker vor den Tisch oder Lieblingsplatz, so dass aus einem großen Sprung zwei kleinere werden. Ebenso kannst du den Kratzbaum mit eine paar Zwischenstufen wieder attraktiver für deine Katze machen. Vielleicht baust du ihr aber auch einen barrierefreien Zugang zu ihrem Lieblingsplatz. Das kann ein Brett oder Ähnliches sein.

Tipp 4: Diät

Übergewichtige Katzen sollten unbedingt abnehmen. Hierbei ist ein sanftes und langsames Vorgehen wichtig. Bitte keine Nulldiät – das ist für Katzen lebensgefährlich. Bitte besprich die Einzelheiten mit dem Tierarzt. Er kann dir zum einen Spezialfutter empfehlen und einschätzen, wie man im Einzelfall am besten vorgeht. Jedes überschüssige Gramm Körpergewicht, das deine Katze verliert, wird für sie ein Segen sein. Studien zeigten bei Gewichtsabnahme eine Verringerung der Symptome wie auch eine Verbesserung bei der Wirksamkeit der Schmerztherapie.

Tipp 5: Altersgerecht füttern

Katzen über 8 Jahre zählen zu den Senioren. Daher sollten sie entsprechendes Senioren-Futter erhalten. Dieses enthält ein Extra an Antioxidantien und unterstützt damit auch die Nieren. In Absprache mit dem Tierarzt machen auch Nahrungsergänzungsmittel Sinn.

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