Bengalkatze: Der wasserliebende Leopard

Im Vergleich zu vielen anderen Katzenrassen ist die Bengalkatze noch sehr jung. Sie wurde gezielt gezüchtet und stammt direkt von einer Wildkatze ab. Ist ihr Wesen auch so wild?

BEngalkatze
Die Bengalkatze stammt direkt von einer Wildkatze ab

Herkunft der Bengalkatze

Wie bereits erwähnt, sind die Bengalen eine noch recht junge Rassekatzen, die es noch gar nicht so lange gibt. Sie sind hierzulande auch unter der altdeutschen Bezeichnung „Leopardette“ bekannt.

Die amerikanische Genetikerin Jean Mill, die zu der damaligen Zeit noch Jean Sudgen hieß, hatte beabsichtigt, eine Katzenrasse zu erschaffen, die durch ein gewisses „Wildkatzenflair“ geprägt ist – was ihr letztendlich auch gelang. Bengalen sind demnach das Resultat einer gezielten Züchtung.
Jean Mill hatte dafür Anfang der 60-er Jahre (1963) eine asiatische Leopardkatze (ALC bzw. Prionailurus bengalensis) mit einer männlichen schwarzen Hauskatze gekreuzt. Das Ergebnis der Kreuzung war ein Kätzchen namens „Kinkin“ mit einem geschmeidigen getupften Fell.

Die Genetikerin soll sie gemeinsam mit ganz gewöhnlichen Katzen aufgezogen haben, damit sie ihr wildes Wesen verliert und einen ähnlichen Charakter wie normale Hauskatzen bekommt. Für die zweite Generation hatte Mill das Kätzchen Kinkin mit ihrem Vater zurückgekreuzt, die daraufhin einen Wurf niedlicher gepunkteter Katzen bekam. Danach lag das Zuchtprojekt allerdings einige Zeit auf Eis, was sicherlich mit dem Tod von Jean Mills Mann zusammenhängt.

Erst Anfang der 70er Jahre nahm sie die Zucht wieder auf, weil sie von einem Kollegen, dem Genetiker Dr. Willard Centerwall, ein paar weibliche Hybriden übernehmen konnte. Auch er hatte sich der Kreuzung der Leopardenkatze und Hauskatze gewidmet. Jedoch um im Bereich der Katzenkrankheit FeLV zu forschen.

In den 80er Jahren konnte Mill ihre neue Rasse, die Bengalkatze, endlich auf einer Ausstellung präsentieren – seither war sie auf sämtlichen Ausstellungen dabei, in Deutschland erstmals kurz vor der Wende. International anerkannt wurde die Bengal aber erst 1999 durch den internationalen Dachverband von Katzenzuchtverbänden FiFé.

Bengalkatze Aussehen
Charakteristisch ist die wildkatzentypische Musterung des Fells der Bengalen

Aussehen & Fellzeichnung der Bengalen

Bengalen sind Hybriden mit einem mittelgroßen Körper und kurzem Fell. Männchen erreichen ein Körpergewicht von 5 bis 6 Kilogramm, die Weibchen sind mit rund 4 Kilogramm deutlich kleiner. Ihr Körperbau ist schlank, dabei aber äußerst muskulös. Allerdings wirken sie aufgrund ihrer langen sehnigen Beine alles andere als schwerfällig. Vielmehr zeigt sich in ihrer Körperhaltung und ihrem eleganten Gang die Abstammung der Wildkatze. Die Hinterbeine der Bengalkatze sind leicht erhöht und kräftig, was sie zu ausgezeichneten Springern macht. Die Pfoten sind zudem groß und rund.

Der Kopf der Katzenrasse ist zwar relativ massiv und rundlich, passt aber zum Gesamtbild, schmälert also nicht die Eleganz der Katze. Die Ohren sind recht klein, abgerundet, leicht nach vorn geneigt und stehen recht weit auseinander. Von den recht großen, ovalen Augen, die in verschiedenen Farben strahlen können, gehen Lidstrich-ähnliche Zeichnungen ab.

Das auffälligste Merkmal der Bengalen ist natürlich deren Fell, insbesondere die wildkatzentypische Musterung. Das Fell ist kurz, sehr dicht, seidig weich und hat einen wunderschönen Glanz. Die Grundfarbe kann zwischen Braun, Silber, Gold sowie Blau oder auch Orange variieren. Auch die Musterung kann unterschiedlich ausfallen. Es gibt verschiedene anerkannte marmorierte (marble) und getupfte (spotted) Variationen.

Bengalkatze Wesen
Bengalen brauchen einen Gefährten, damit keine Langeweile aufkommt

Charakter der Bengalkatzen

Im Wesen der Bengalen spiegelt sich ganz klar ihre „wilde“ Abstammung wider. Sie sind unheimlich aktiv, energiegeladen und ausdauernd. Aufgrund ihres Körperbaus sind sie zudem extrem gut Springer. Sie toben sich also liebend gern aus, springen, klettern und rennen durch die Wohnung. Bengalen lieben Action, Jagdspiele und apportieren beispielsweise auch Spielzeug.

Neben körperlichen Herausforderungen möchten sie aber auch geistig von ihren Menschen gefordert werden – sie sind nämlich auch richtig clever. Liebend gern erlernt sie Tricks und Kunststückchen (z.B. mit dem Clicker) oder stellt sich kniffligen Geschicklichkeitsparcours.

Eine Besonderheit der Bengalkatzen ist darüber hinaus, dass sie sehr gern mit Wasser spielen. Während die meisten Katzen das gespenstische Nass lieber meiden, gehen die Bengalen nicht selten mit ihren Besitzern duschen oder baden. Wasserhähne sind in jedem Fall spannende Magneten für die Katze.

Neben diesen vielen wilden Eigenschaften ist diese Rasse aber auch sehr menschenbezogen, verschmust, anhänglich und zutraulich. Viele Besitzer berichten, dass sie von ihren Bengalen auf Schritt und Tritt begleitet werden. Des Weiteren sind diese freundlichen Tiere sehr kommunikativ, so reden sie mit ihren Menschen durch Schnurren, Gurren und Singen.

Wie sollte das perfekte Zuhause aussehen?

Bengalen sind keine Freigänger, benötigen aber wie oben beschrieben sehr viel Bewegung und Action. Es sollten also ausreichend Kletter- und Spielmöglichkeiten vorhanden sein. Außerdem hat sie gern einen Gefährten, sie ist also als Zweitkatze super geeignet. Das muss auch keine Bengalkatze sein – sie kommt eigentlich mit allen Katzen zurecht. Aufgrund ihres gefestigten Charakters sind auch Hunde kein Problem. Da sie sehr anhänglich und menschenbezogen ist, fühlt sie sich zudem in einer Familie sehr wohl.

Wer also eine Katze sucht, mit der er sich den ganzen Tag beschäftigen kann – sowohl durch Schmusen als auch Spielen – wird mit Bengalen richtig happy. Wem das hingegen zu viel ist, weil er nicht die nötige Zeit und Ausdauer hat, sollte lieber eine ruhigere, weniger Menschen fokussierte Katzenrasse wählen. Hier geht es zu den anderen Katzenrassen.

Wichtiger Hinweis: Dass Bengalkatzen genügend gefordert werden und ausreichend Raum zum Austoben haben, ist wirklich wichtig. Ich habe durch Vorträge in meiner Weiterbildung von Experten (Tierärzte, Katzenforscher) gehört, dass Bengalen bei Unterforderung zu Aggressivität neigen. Die Besitzer, die ihr Tier „vernachlässigt“ hatten, trauten sich am Ende gar nicht mehr in die Nähe der Katze, weil sie übergriffig gegenüber ihren Menschen reagierte. So wunderschön Bengalen sind – sie sind auch eine Herausforderung, die man nicht unterschätzen darf.

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