Chartreux: Die echte Kartäuserkatze mit blauem Fell

Die französische Rassekatze Chartreux wird oft mit der BKH verwechselt. Wie man sie unterscheidet und ob ein Mönchsorden an der Zucht der Kartäuser beteiligt war, kannst du hier nachlesen!

Chartreux Kartäuserkatze
Die französische Rasse Chartreux – die echte Kartäuserkatze

Herkunft und Geschichte der Chartreux

Man geht davon aus, dass die Rassekatze aufgrund ihres wollig-dichten, abstehenden Fells ihren Ursprung in den Bergen Syriens hat. Von dort soll sie während der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert nach Europa gelangt sein.

Zucht beginnt in Frankreich

Den Grundstein für die heutige Chartreux legten die Geschwister Christine und Suzanne Léger, die sich der gezielten Zucht dieser Rasse annahmen. Sie begannen mit ihren Bemühungen um 1925 und zogen dafür auf die französische Insel Belle-Île, wo sie in freier Wildbahn eine gute Population an grauen Katzen vorfanden. Sie bildeten sozusagen die Basis für ihre Zucht, die unter dem Zwingernamen „de Guerveur“ bekannt wurde. Sehr schnell ernteten die Schwestern Lob und Ehre für ihre Mühen. Bereits Anfang der 30er wurde ihre Katze auf der internationalen Ausstellung in Paris zur schönsten ihrer Rasse gekürt.

Chartreux vs. BKH: Ursache der Verwirrungen

Wie bei vielen anderen Rassen auch, kämpften Züchter während des Zweiten Weltkriegs um den Fortbestand der Kartäuser. Um ihre Population zu sichern, Inzucht zu vermeiden und die Zuchtbasis aufzufrischen, wurden andere Rassen eingekreuzt. Vorwiegend griff man zu der Zeit auf die Britisch Kurzhaar zurück. In den nachfolgenden Jahren wurden die Eigenschaften der Chartreux durch das Einkreuzen der BKH immer mehr verfälscht. Das Ergebnis: Die beiden Rassen wurden sich immer ähnlicher und waren kaum noch auseinanderzuhalten. Aus diesem Grund entschied der internationale Katzenverband FIFe 1970, die BKH und Chartreux-Katzen zusammenzufassen. Seither wurde die zusammengeführte Rasse international mit dem Namen „Britisch Shorthair“ vorgestellt. Was bis heute für Verwirrung sorgt, ist, dass die blauen Katzen in Deutschland als Kartäuser vorgeführt wurden.

Viele Züchter waren alles andere als glücklich über die Vermischung beider Rassen. Daher gab es Bemühungen einzelner Züchter, die Rasse zu retten und die Zusammenführung mit der BKH rückgängig zu machen. Zu den Wichtigsten gehören die Franzosen Jaquemin (Cattery Lilas Bleus) und Simonnet (Cattery Vaumichon), die den Verein „Club de Chat des Chartreux“ gründeten. Vor allem Jean Simonnet ließ nicht locker und setzte sich immer wieder für die Trennung der Rassen ein. 1977 beugte sich der FIFe und gab der Britisch Kurzhaar und Chartreux ihre Eigenständigkeit zurück.

Nach Deutschland gelangten die ersten echten Kartäuserkatzen mit Hilfe von Elisabeth Roth, die es sich zur Aufgabe machte, die Rasse hierzulande bekannt zu machen. Anfang der 1970er kam die Katze auch in die USA, wurde aber erst 1987 offiziell anerkannt. Scheinbar ist sie dort nie richtig populär geworden, so gibt es in den Staaten auch heute nur wenige Züchter.

Chartreux Kartäuserkatze legende
Der Kartäuser Mönchsorden hat wohl doch nichts mit der Katzenrasse zu tun

Legende der Kartäuser

Lange Zeit hielt sich rund um die Zucht der Rasse beharrlich eine Legende, in der der Mönchsorden Grande Chartreuse (zwischen Grenoble und Chambéry) die Hauptrolle spielte. So ging man davon aus, dass die Namensgleichheit nicht von ungefähr kommt, sondern weil die Mönche des Kartäuserordens die Katzen züchteten. Eine nette Geschichte, aber leider gibt es bis heute keinerlei Beweise für diese Annahme. Die Mönche waren vielmehr mit der Herstellung des Chartreuse-Likörs beschäftigt. Wobei man nicht ausschließen kann, dass sie sich vielleicht um streunende Katzen gekümmert haben.

Heute spricht vieles dafür, dass der Name Chartreux auf eine Wolle zurückzuführen ist. So war bereits im 16. Jahrhundert eine blaugraue, sehr erlesene Kartäuserwolle in Frankreich sehr bekannt. Aus der Pile de Chartreux sollen wohl auch Mönchskutten gewebt worden sein.

Aussehen der Kartäuserkatze

Die Kurzhaarkatze zählt mit einer Schulterhöhe von rund 25 bis 32 Zentimetern zu den mittelgroßen Rassekatzen. Ihr Statur ist kräftig und muskulös, ihre Brust ausgeprägt, ihre Beine sind mittellang und ebenfalls muskulös. Kätzinnen werden zwischen 4 und 5 Kilogramm schwer, Kater können bis zu 7 Kilogramm wiegen. Sie besitzt einen mittellangen Schwanz, der an der Spitze leicht abgerundet ist.

Der Kopf der Chartreux ist trapezförmig mit ausgeprägten Wangen. Die Nase ist gerade (ohne Stopp) und relativ breit. Der Abstand zwischen den mittelgroßen Ohren, die recht hoch am Kopf sitzen, ist eher klein. Die Augen der Kartäuserkatze sind leicht schräg und leuchten in einem gelben bis kupfernen bzw. bernsteinfarbenen Ton.

Das Fell ist kurz und glänzend mit einer dichten Unterwolle. Es steht leicht ab und fühlt sich etwas wollig an. In jedem Fall leuchtet es ein einem wundervollen Blauton. Diverse Schattierungen von blau bis grau sind gestattet, Zeichnungen jedoch sind nicht erlaubt.

Wo auf den ersten Blick aufgrund des blauen Fells noch viele Ähnlichkeiten zur BKH oder Russisch Blau vermutet wurden, zeigen sich beim genaueren Hinsehen doch einige Unterschiede zum Aussehen der Chartreux. Zum Beispiel sind für die Britisch Kurzhaar die vielen „Rundungen“ typisch und die Russisch Blau erkennt man an ihren grünen Augen.

Chartreux Russich blau BKH
So werden die Unterschiede zwischen Chartreux, Russisch Blau und BKH recht deutlich

Charakter und Wesen

Kartäuser sind nicht allzu anspruchsvolle Mitbewohner. Sie sind friedliebend, ausgeglichen und dabei auch noch äußerst ruhig. So benutzen sie ihre helle Stimme wirklich recht selten, im Gegensatz zu so manch anderen Rassen, wie die redselige Siam.

Charakteristisch ist zudem, dass sich das Wesen vieler Katzen mit zunehmendem Alter wandelt. Als junge Kitten sind sie richtig frech und verspielt und vor allem kreativ, wenn es darum geht, etwas auszuhecken und potentielles Spielzeug zu finden. Gut betagte Katzen wirken hingegen oftmals eher nachdenklich, wie kleine Philosophen. So beobachten sie das Tagesgeschehen am liebsten von einem gemütlichen Platz aus, der ihnen zudem einen guten Rundumblick verschafft. Oft ziehen sie sich einfach lieber zurück und betrachten das Treiben von sicherer Entfernung, als mittendrin im Geschehen zu sein. Deshalb werden sie manchmal auch als eigenbrötlerisch wahrgenommen. Dennoch freuen sie sich, wenn sie in irgendeiner Weise einbezogen und nicht komplett ausgeschlossen werden.

Chartreux sind darüber hinaus sehr intelligente und lernfähige Katzen. So kann man ihnen Tricks oder das Laufen an der Leine beibringen und sie lieben es, Dinge zu apportieren – das machen sie bis ins hohe Alter gern.

Des Weiteren gilt die Rasse als äußerst menschenbezogen. In der Regel sucht sie sich eine Bezugsperson aus, der sie bis an ihr Lebensende treu bleibt. So zeigt sie sich ergeben, kommt immer wieder für Schmuseeinheiten vorbei und sucht ständig die Nähe zu diesem Menschen. Diese starke Anhänglichkeit zeigt sie nur gegenüber dieser einen Person, wobei sie zu allen anderen Familienmitgliedern ebenfalls freundlich und offen ist.

Was Kartäuser aber überhaupt nicht mögen ist Lärm und Hektik. Daher sind sie in einem ruhigen Zuhause am besten aufgehoben. Wobei das zwangsläufig nicht heißen soll, dass sie mit Kindern nicht können. Sie benötigen dann aber genug Rückzugsmöglichkeiten. Auch mit Hunden haben sie eigentlich kein Problem. Da sie nicht unbedingt die größten Energiebündel sind, kann man sie sowohl als Freigänger als auch als reine Wohnungskatze halten. Eine Zweitkatze ist eigentlich auch immer schön, wobei du darauf achten solltest, dass sie ebenso ruhig und gemütlich wie die Chartreux ist.

Chartreux Kartäuserkatze charakter
Kartäuserkatzen sind sehr anhänglich

Besonderheit: Da ihr der Bezug zu ihrem Menschen am wichtigsten ist, soll sie sehr leicht mit Veränderungen ihres Umfelds klar kommen – sofern sie nicht in unruhige, laute neue Umgebungen gebracht wird. Das heißt, sie steckt nicht nur Umzüge recht gut weg, sondern kann auch mit in den Urlaub genommen werden.

Gesundheit und Krankheiten

Die Kartäuserkatze gilt als recht robust und pflegeleicht. Im Vergleich zu manch anderen Rassen ist sie bisher – zumindest zum heutigen Stand – von schlimmen Erbkrankheiten verschont geblieben. Die einzige bekannte rassetypische Erkrankung ist die Patellaluxation. Hierbei handelt es sich um eine Verschiebung bzw. Verdrehung der Kniescheiben, die für Katzen äußerst schmerzhaft ist und zu Arthritis führen kann.

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