Diabetes bei Katzen: Ist meine Katze zuckerkrank?

Diabetes bei Katzen wird aufgrund der anfänglich schwachen Symptome häufig recht spät erkannt. Auf welche Anzeichen du achten musst und wie zuckerkranke Miezen behandelt werden können, erfährst du hier!

Diabetes bei Katzen
Diabetes bei Katzen: Alles über Symptome, Behandlung und Ursachen


Feliner Diabetes mellitus – so lautet der fachlich korrekte Ausdruck, wenn Katzen an der Zuckerkrankheit leiden. Umgangssprachlich wird die Katzenkrankheit auch als Katzendiabetes bezeichnet. Sie ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Samtpfoten. Man geht davon aus, dass rund ein Prozent aller in Deutschland lebenden Katzen davon betroffen ist, das sind rund 110.000 Tiere.

Ursachen von Diabetes bei Katzen

Zur Stoffwechselstörung kommt es, wenn der Glukosehaushalt der Katze durcheinander geraten ist. Das passiert, wenn die Katze nicht mehr in der Lage ist, Zucker als Energielieferanten zu nutzen, wie es eigentlich normal wäre. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Hormon Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

Glukose: Wichtige Energiequelle

Wenn Katzen gefressen haben, wird das Futter im Verdauungssystem in seine einzelnen Komponenten aufgespalten. Ein wichtiger Bestandteil, der ebenfalls extrahiert wird, ist Glukose (Zucker), das von dort aus in den Blutkreislauf gelangt. Die Glukose versorgt auf diese Weise sämtliche Organe der Katze mit Energie.

Damit Glukose aber vom Körper überhaupt genutzt werden kann, ist das Hormon Insulin nötig. Ist die Insulinproduktion aber gestört, kann Zucker auch nicht korrekt für den Körper vorbereitet werden. Das heißt, die Organe, die den Zucker brauchen, werden nicht versorgt. Stattdessen bleibt der Zucker in der Blutbahn, was zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels sorgt. Die Organe hingegen weisen einen Mangel an Glukose auf.

Zwei Formen von Katzendiabetes

Wie bei uns Menschen kann Diabetes bei Katzen in zwei verschiedenen Formen auftreten: Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Deutlich häufiger ist allerdings Typ 2 bei Katzen anzutreffen.

Diabetes Typ 1

Bei dieser Form der Erkrankung wird von der Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin mehr hergestellt. Ursache: Die Zellen, die für die Produktion zuständig sind, sind zerstört. Tritt Typ 1 bei Katzen auf, dann ist eine lebenslange Zugabe von Insulin notwendig.

Diabetes Typ 2

Bei dieser Diabetes-Art wird das Insulin gebildet, allerdings wird es vom Körper nicht richtig aufgenommen. Die Zellen, an denen das Insulin im Normalfall angekoppelt wird, reagieren nicht auf das Hormon. Damit ist es „wertlos“ für den Organismus. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Insulinresistenz. In einigen Fällen von Diabetes bei Katzen des Typ 2 wird „nur“ zu wenig Insulin gebildet, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten.

Diabetes bei Katzen gefährdet
Dicke Katzen sind gefährdet: Häufig tritt Diabetes Typ 2 auf

Welche Katzen sind gefährdet?

Besonders gefährdet für Diabetes Typ 2 sind übergewichtige Katzen. Glücklicherweise stehen bei ihnen die Chancen gar nicht schlecht, dass „nur“ eine vorübergehende Behandlung notwendig ist. Mehr dazu erfährst du weiter unten im Abschnitt Behandlung. Du bist nicht sicher, ob deine Katze übergewichtig ist? Hier kannst du testen, ob deine Katze zu dick ist.

Daneben soll es Katzenrassen geben, die anfälliger für Diabetes sind, als andere. Dazu gehört die Burma Katze. Des Weiteren sind ältere Katzen sowie kastrierte Kater wohl häufiger betroffen.

Symptome: Hat deine Katze Diabetes?

Wie bereits zu Beginn angedeutet, wird Diabetes bei Katzen häufig recht spät erkannt, weil die Anzeichen eher schwach ausgeprägt sind. Hier sind also Beobachtungsgabe und Kenntnisse über den eigenen Stubentiger des Katzenhalters gefordert. Das ist bei reinen Wohnungskatzen natürlich deutlich leichter als bei Freigängern, bei denen sich Veränderungen nicht so schnell feststellen lassen. Folgende Symptome können bei Katzendiabetes auftreten:

  • Polyurie: Katzen setzen viel mehr Urin ab als zuvor. Der Grund: Der Überschuss an Glukose wird ungenutzt aus dem Körper transportiert. Der Zucker entzieht der Katze aber zugleich Wasser, welches über den Urin mit nach draußen befördert wird.
  • Polydipsie: Katzen trinken nun auch deutlich mehr, um den Wasserverlust wieder auszugleichen.
  • Polyphagie: Vermehrter Hunger tritt auf. Auch das ist eine natürliche Reaktion der Katze, die zunächst versucht, den Mangel an Energiegewinnung mit mehr Futter zu kompensieren.
  • Gewichtsverlust: Trotz des größeren Hungers nimmt die Katze kontinuierlich ab, da Energie eben nicht richtig verwertet werden kann.
  • Müdigkeit & Abgeschlagenheit: Das ist auch eine Folge der mangelnden Energieverwertung.
  • Haarausfall; stumpfes, glanzloses Fell & Schuppen
  • Plantigrader Gang: Manche Katzen zeigen einen sehr merkwürdigen, eckigen Gang, der in jedem Fall auffällt. Denn die Katze tritt nicht mit den Hinterpfötchen auf, sondern mit der gesamten Fußsohle.
  • Linsentrübung (eher selten)
Diabetes bei Katzen Symptom
Katzen mit Diabetes haben übermäßigen Durst

Diabetes bei Katzen fabriziert ein regelrechtes Chaos beim gesamten Energiehaushalt, was weitere Beschwerden nach sich ziehen kann. Die Organe und Körperfunktionen werden gestört, das Immunsystem ist deutlich geschwächt, die Wundheilung verlangsamt sich, Durchblutungsstörungen können auftreten und Harnerkrankungen sind möglich.

!Vorsicht vor Komplikationen!

Bleibt die Erkrankung jedoch sehr lange unbemerkt oder wurde eine falsche Insulindosis verabreicht, kann es auch zu Komplikationen kommen. In diesem Fall spricht man von einer „komplizierten“ Form von Diabetes mellitus. Es gibt zwei Krankheitsverläufe, die für Katzen lebensgefährlich werden können.

Ketoazidose

Hierbei kommt es infolge einer Anreicherung von Ketonkörpern (Das sind chemische Verbindungen: Acetoacetat, Aceton und Beta-Hydroxybutyrat) zu einer Desorganisation des Stoffwechsels. Fettgewebe wird dabei verstärkt abgebaut, zudem geht eine Blutübersäuerung damit einher, die für Katzen wirklich sehr gefährlich ist. Hier ist schnelles Handeln gefordert, denn Katzen mit einer diabetischen Ketoazidose müssen unbedingt sofort behandelt werden. Typische Symptome dieser Komplikation sind:

  • Austrocknung – erkennbar an trockenen Schleimhäuten oder am Hautfaltentest: Du ziehst an einer Hautfalte und lässt sie wieder los. Zieht sich die Haut nicht sofort wieder zurück, sondern bleibt eine Weile als Falte bestehen, ist das ein Zeichen für ein Austrocknen.
  • Erbrechen
  • Teilnahmslosigkeit, getrübtes Bewusstsein
  • Koma

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Während bei der Ketoazidose ein Insulinmangel vorliegt, wird die Unterzuckerung durch eine Überdosis Insulin ausgelöst. Bei dieser komplizierten Form von Diabetes bei Katzen fällt der Blutzuckerwert bedenklich stark ab, was zur Schädigung von Gehirnfunktionen führen kann. Wird die Katze nicht schnell genug behandelt, kann die Unterzuckerung tödlich enden. Woran sich Hypoglykämie erkennen lässt:

  • Nervosität
  • Zittern der Muskeln
  • Allgemeine Schwäche
  • Erbrechen
  • Orientierungsverlust, verrückt wirkende Bewegungen (Katze dreht sich im Kreis)
  • Krämpfe und Lähmungen
  • Inkontinenz
  • Lautstarkes Jammern
  • Zurückziehen, Apathie, Koma

Du solltest bei diesen Symptomen in jedem Fall so schnell wie möglich zum Tierarzt. Du kannst zudem versuchen, deiner Katze etwas aufgelösten Traubenzucker in Wasser ans Maul zu tupfen. Wichtig ist nämlich, dass sie schnellstmöglich wieder Zucker bekommt.

Diagnose durch den Tierarzt

Besteht der Verdacht auf Diabetes bei Katzen, führt der Tierarzt in der Regel Harn- sowie Blutuntersuchungen durch. Allerdings reicht eine einfache bzw. einmalige Bestimmung des Nüchternblutzuckers nicht aus. Der Wert dürfte nämlich in den meisten Fällen erhöht sein – auch ohne Diabetes. So sind viele Katzen – für Bruno und Lotte gilt das auf jeden Fall – beim Tierarzt nervös und stehen unter Stress. Durch Stress wird der Blutzuckerwert allerdings kurzfristig erhöht. Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, wird ein Blutzuckerlangzeitwert, der Fructosamin-Spiegel, erhoben.

Diabetes bei Katzen behandlung
Katzendiabetes wird mit Insulin behandelt

Behandlung von Diabetes bei der Katze

Katzendiabetes wird durch die Zugabe von Insulin behandelt. In der Regel müssen zuckerkranke Katzen zwei Mal täglich mit Insulin versorgt werden. Die Dosis wird mit einer speziellen Insulinspritze direkt unter die Haut gespritzt. Der Tierarzt zeigt dir sicher, wie du das hinbekommst, damit es für dich ungefährlich und für deine Katze schnell vorüber ist. Zudem wird er mit dir die Dosis und den Zeitpunkt des Spritzens besprechen. Häufig wird das Insulin vor der Mahlzeit gegeben. Das kann allerdings zu einem Problem werden, wenn deine Katze mal nichts fressen will, da es dann zur Unterzuckerung kommen kann.
Das solltest du beachten:

  • Insulin muss kühl gelagert werden
  • Viele Sorten des Wirkstoffs dürfen nicht geschüttelt werden; nur leicht hin- und herwiegen
  • Haltbarkeit der Fläschchen beachten
  • spezielle Spritzen verwenden

Schwierigkeiten mit Insulin

So einfach, wie das jetzt klang, ist es in der Praxis aber leider meist nicht. Zunächst muss man erst einmal das Insulin finden, auf das die Katze am besten anspricht. Darüber hinaus wird anfänglich die richtige Dosierung ermittelt. Ziel ist es ja, den Blutzuckerwert dauerhaft auf einem Level zu halten und Schwankungen zu vermeiden.

Es gibt auch Katzen, die Injektionen einfach nicht vertragen und an den Einstichstellen Geschwüre bekommen. Für diesen Fall muss man auf Tabletten umsteigen, die ins Futter gemischt werden. Sonst sind Injektionen den Tabletten jedoch vorzuziehen, da die Tabletten Nebenwirkungen haben.

Behandlung bei Typ 1: Diabetes bei Katzen des Typ 1 erfordert in der Regel eine lebenslange Behandlung mit Insulin, da die Eigenproduktion des Hormons fehlt.

Behandlung bei Typ 2: Die Prognose bei Typ 2 ist deutlich erfreulicher. Handelt es sich um einer übergewichtige Katze, genügt es manchmal schon, dass das Gewicht verringert wird. So normalisiert sich manchmal der Stoffwechsel und die Verwertung von Glukose, so dass die Insulindosis stark reduziert oder sogar komplett eingestellt werden kann.

Spezialfutter für Diabetes-Katzen

Neben der Insulinbehandlung empfiehlt der Tierarzt meist auch eine Umstellung der Ernährung – vor allem bei übergewichtigen Katzen. Futter mit einem hohen Proteingehalt und wenig Kohlenhydraten sind für Katzen mit Diabetes gut geeignet. Denn auf diese Weise wird auch nicht so viel Insulin benötigt und man kann die Dosis möglichst klein halten. Dieses Spezialfutter ist nur beim Tierarzt oder gegen Rezept im Handel erhältlich. Sinn macht die Futtertherapie aber wahrscheinlich nur bei reinen Wohnungskatzen. Bei Freigängern lässt sich einfach schlecht prüfen, was sie in der Nachbarschaft alles naschen.

Tipp: Da es in Sachen Futter auch echte Diven unter den Katzen gibt, sollte eine sanfte Umstellung des Futters erfolgen. Das heißt, man gewöhnt die Katze mit Bedacht und schrittweise an die neue Futtersorte.

HINWEIS: Die Behandlung von Diabetes bei Katzen geht mit ständigen Kontrolluntersuchungen einher. So wird in regelmäßigen Abständen der Blutzuckerwert, der Fructosamin-Spiegel, die Ernährung sowie die Dosis des Insulins geprüft und bei Bedarf angepasst.

Gute Prognosen bei engagierten Katzenhaltern

Alles in allem stehen die Chancen für Katzen mit Diabetes recht gut. Die Krankheit fordert aber nicht nur finanziellen Einsatz, sondern vor allem das Engagement des Katzenhalters. Es ist extrem wichtig, dass sich zuckerkranke Katzen auf eine gewisse Kontinuität verlassen können. Das heißt, die regelmäßige Gabe von Insulin ist genauso wichtig, wie feste Futterzeiten und konstante Futtermengen. Nur so kann man die Blutzuckerwerte konstant halten und Über- sowie Unterzuckerungen vermeiden.

Auch wenn das vielleicht etwas albern klingt, aber auch Beharrlichkeit ist gefragt und nicht zu unterschätzen. So muss man jedem Betteln und herzzerreißenden Katzenblick widerstehen, wenn es um Leckerlis usw. geht. Jegliche Schwankungen des Energiebedarfs sollten einfach vermieden werden.

Deine Katze wird es dir in jedem Fall danken, wenn du dieser Herausforderungen annimmst. Wird Diabetes bei Katzen rechtzeitig behandelt und konsequent überwacht, können Katzen mit der Krankheit sehr alt werden. Und dieses Leben ist keines mit Abstrichen – ganz im Gegenteil: Auch Katzen mit Diabetes können ein spaßiges und zufriedenes Leben führen.

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