Katzen impfen: Wann, wie oft und gegen was?

Beim Thema Impfungen scheiden sich die Geister. Während die einen Tierärzte gegen alles impfen wollen, warnen die anderen vor Nebenwirkungen. Erfahre hier, gegen was man Katzen impfen lassen sollte und welche Piekser du deinem Stubentiger ersparen kannst!

Katzen impfen
Katzen impfen – hier etwas spaßig dargestellt – ist ein komplexes Thema

Katzen impfen: Pflicht oder nicht?

Zunächst einmal vorweg: In Deutschland besteht für Katzen keine gesetzliche Impfpflicht. Soweit ich weiß, gilt das ebenso für Österreich und die Schweiz. Solange deine Katze sich innerhalb der deutschen Grenze aufhält, entscheidest du allein, ob du sie impfen lässt und gegen was. Planst du hingegen mit deiner Katze eine Reise ins Ausland, musst du dich an bestimmte Reisebestimmungen halten. Dazu gehört beispielsweise die notwendige Tollwutimpfung, die mindestens 30 Tage vor Ausreise durchgeführt werden muss. Sie darf zudem nicht älter als ein Jahr sein.

Ob du deine Katze(n) impfen lässt, wann und wie oft und vor allem gegen welche Krankheiten – die Entscheidung liegt also komplett bei dir. Klar, damit trägst du bei dem Thema irgendwie auch die Verantwortung. Die Entscheidung abnehmen, kann ich dir natürlich nicht. Aber ich möchte dir hier alle nötigen Informationen geben, damit du eine bestmögliche Entscheidung für deinen Stubentiger fällen kannst. Welche Impfungen Sinn machen, ist nämlich auch von eurer Lebenssituation abhängig. Ich würde dir aber in jedem Fall raten, die Sache ausführlich mit deinem Tierarzt zu besprechen.

Sind Impfungen bei Katzen sinnvoll?

Das kommt ganz darauf an: Einerseits auf die Katze bzw. ihre Lebensumstände und andererseits auf den Impfstoff natürlich. Grundsätzlich sollen Impfungen erst einmal unsere Samtpfoten vor lebensbedrohlichen Krankheiten wie Katzenseuche, Katzenschnupfen oder Tollwut schützen. Die sehr ausgeprägte „Impfphilosophie“ von früher hat sich bei vielen Tierärzten bis heute gehalten. So ist es auch heute noch Usus, gegen eine feste Krankheiten-Palette zu impfen und diese regelmäßig einmal im Jahr aufzufrischen.

Nicht alle Veterinärmediziner und Forscher teilen jedoch diese Praxis. So ist der heutige Erkenntnisstand ein anderer als noch vor 20 Jahren, weshalb immer mehr Tierärzte von einer pauschalen Rundum-Impfung Abstand nehmen. Neue Forschungen und Studien belegen, dass zum einen die Wirksamkeit einiger Impfstoffe angezweifelt werden kann. Zum anderen konnte ein Zusammenhang zwischen Impfung und dem Auftreten bösartiger Tumore festgestellt werden.

Aus diesem Grund lässt sich auch keine allgemeingültige Aussage, die für alle Katzen gilt, treffen. Einige Impfungen sind durchaus wichtig, andere sind nur bei einigen Tieren sinnvoll und wieder andere sollte man wirklich besser sein lassen. Es muss immer je nach Tier und Situation abgewägt werden, wogegen man Katzen impfen lassen sollte.

Vorbedingungen für Katzenimpfungen

Man sollte Katzen nur impfen, wenn:

  • Katzen gesund sind. Der Tierarzt sollte daher zuvor auch einen allgemeinen Gesundheitscheck durchführen
  • Katzen frei von Parasiten und Würmern sind
  • Katzen nicht unter Stress stehen. Sind deine Samtpfoten gerade erst bei der eingezogen, solltest du ihnen ein wenig Zeit zur Eingewöhnung geben, bevor du sie dem nächsten Stress aussetzt.
Katzen impfen wann
Am besten lässt man Impfungen bei Katzen im Welpenalter durchführen

Im besten Fall lässt man Katzen impfen, wenn sie noch im Welpenalter sind. Hat man aber eine erwachsene Katze übernommen und es fehlt ihr an bestimmten Impfungen, ist das aber kein Problem. Grundsätzlich können Impfungen noch in jedem Alter durchgeführt werden.

Grundimmunisierung: Wichtige Impfungen für Katzen

Die wichtigste Impfung für Katzen ist gegen Katzenseuche. Jede Katze, egal ob Wohnungskatze oder Freigänger, sollte gegen gegen Parvoviren (Auslöser der Katzenseuche) geimpft werden. Der Impfstoff bietet für Katzen einen wirksamen Schutz gegen die sonst lebensbedrohliche Krankheit. Die Erkrankung ist auch unter dem Namen Katzenstaupe bekannt. Hier erfährst du alles zu Verlauf, Symptomen und Behandlung von Katzenseuche.

Impfung gegen Katzenseuche

Da Parvoviren unheimlich widerstandsfähig und langlebig sind, können sie auch ohne direkten Kontakt zu einem infizierten Tier übertragen werden. Zum Beispiel können wir das Virus über unsere Schuhe mit nach Hause bringen. Daher ist es enorm wichtig, auch Wohnungskatzen zu schützen.

Wann?
Gegen Katzenseuche kann ab der 8. Woche geimpft werden. Mit 12 Wochen wird die Impfung in der Regel wiederholt. Warum? In den ersten Wochen erhalten Kitten über die Muttermilch Antikörper, die aber immer weniger werden. In der 8. Woche können es aber noch so viele sein, dass die Impfung abgeschwächt wird. Daher ist eine Wiederholung in der 12. Woche sinnvoll.

Wie oft nachimpfen?
Hier gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Es gibt noch immer Tierärzte, die raten, die Impfung alle 1 bis 3 Jahre zu wiederholen.

Andere Tierärzte wie Prof. Ronald Schultz oder Dirk Schrader halten dagegen und sagen, eine Wiederholung sei nicht notwendig (mehr dazu unter http://kritische-tiermedizin.de/). Wenn Hunde und Katzen als Welpen richtig grundimmunisiert wurden, sind sie ihr Leben lang immun. Eine ständige Wiederholung sei ihrer Meinung nach nicht nur unnötig, sondern auch risikobehaftet. Die Veterinärmediziner sind der Auffassung, die jährliche Wiederholung sei nur eine Masche, den Tierhaltern Geld aus der Tasche zu ziehen. Auch die österreichische Tierärztin Dr. Jutta Ziegler beschreibt in ihrem Buch “Schwarzbuch Tierarzt” die Problematik.

Immungedächtnis der Katzen

Begründet wird die jährliche Impfung mit dem fehlenden Immungedächtnis bei Katzen. Aber auch das ist eigentlich nicht richtig. Wenn man mal genauer überlegt, klingt das auch irgendwie komisch. Oder kennst du irgendjemanden, der jährlich seine Impfungen auffrischt? Grippeimpfungen schließe ich jetzt mal aus, da der Impfstoff ständig weiterentwickelt wird. Wir müssen jedenfalls nicht laufend zum Impfen rennen, weil wir ein Immungedächtnis haben. So wie bei uns Menschen ist es aber auch bei Katzen und genau genommen bei allen Säugetieren. Sie alle haben Immungedächtniszellen, was jährliche Wiederholungen völlig überflüssig macht.

Katzen impfen Katzenschnupfen
Ist die Impfung gegen Katzenschnupfen wirklich sinnvoll?

Impfung gegen Katzenschnupfen

Viele Tierärzte impfen Katzenwelpen als Kombination mit Katzenseuche auch gegen Katzenschnupfen. Allerdings kann diese Praxis auch kritisch betrachtet werden.
Warum? Katzenschnupfen wird in den meisten Fällen durch Herpesviren und Caliciviren hervorgerufen. Vor allem letztgenannte Viren mutieren ständig, so dass unglaublich viele Varianten des Virus kursieren. Die Impfstoffe, die gegen Caliciviren auf dem Markt sind, decken davon aber nur einen Bruchteil ab. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es auch eine neuartige, sehr gefährliche Mutation, gegen die der Impfstoff auch nicht schützt (die Variante ist aber sehr sehr selten). Wie sinnvoll diese Impfung gegen Katzenschnupfen ist, ist also fraglich. Du willst mehr über die Krankheit erfahren? Hier kannst du alles zum Katzenschnupfen nachlesen.

Wann?
Wer dennoch seine Katzen impfen lassen möchte, sollte dies im besten Fall im Welpenalter tun. Gegen Katzenschnupfen kann ab der 8. Woche geimpft werden.

Wie oft wiederholen?
Auch wenn viele Tierärzte eine jährliche Impfung empfehlen, kann die Sinnhaftigkeit durchaus angezweifelt werden. Prof. Schultz geht davon aus, dass Katzen noch bis zu 7-8 Jahre nach der Impfung Antikörper besitzen.

Impfung gegen FeLV (Leukose)

Leukose ist eine unheilbare Virusinfektion. Besonders schwierig ist die Diagnose, so können infizierte Katzen jahrelang beschwerdefrei leben – das Virus aber weitergeben. Durch die Parallelen zu HIV wird die Krankheit auch Katzen-Aids genannt.

Prof. Schultz hält eine Impfung gegen Leukose vor allem bei Freigängern bzw. bei Katzen, die Kontakt zu Freigängern haben, für sinnvoll.

Katzen impfen Leukose
Bei Freigängern ist die Leukose-Impfung in jedem Fall anzuraten

WICHTIG: Bevor du deine Katzen impfen lässt, sollte unbedingt eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. So sollte zunächst sichergestellt werden, dass die Katze das Leukose-Virus nicht schon in sich trägt. Falls doch, besteht die Gefahr, dass die Krankheit durch die Impfung ausbricht.

Wann?
Katzen können ab der 9. Woche gegen Leukose geimpft werden.

Wie oft wiederholen?
Prof. Schultz spricht sich für eine Dreifach-Impfung aus. Die erste Injektion erfolgt in der 9. Woche und die zweite gleich 4 Wochen später in der 13. Woche. Dann sollte sie ca. ein Jahr später wiederholt werden. Weitere Auffrischungen sind jedoch nicht nötig, da die Schutzwirkung nicht weiter erhöht werden kann.

Katzenimpfung gegen Tollwut

In Deutschland wurde die Fuchstollwut im Jahr 2008 für ausgerottet erklärt. Allerdings gibt es die Fledermaustollwut, die ist aber sehr selten. Katzen können sich jedoch mit dieser Tollwut anstecken – daher kann eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein. Eine Pflicht gibt es hierzulande aber nicht.

Wann?
Katzen können als Welpen ab der 12. Woche gegen Tollwut geimpft werden.

Wie oft nachimpfen?
Ist die erste Impfung im Welpenalter erfolgt, kann ca. ein Jahr später eine Auffrischung erfolgen. Der Schutz gegen Tollwut hält ca. drei Jahre an. Experten empfehlen, Katzen so oft wie nötig, aber so selten wie möglich gegen Tollwut zu impfen. So sind die Risiken für Nebenwirkungen wie Tumore bei dem Impfstoff recht hoch.

Wirkungslose Impfungen für Katzen

Neben den eben genannten Katzenimpfungen gibt es auch ein paar, die man seiner Katze lieber erspart.

Impfung gegen Chlamydien: Es handelt sich hierbei um Bakterien, die bei Katzen Augenentzündungen hervorrufen können. Oftmals sind Wirkstoffe gegen Chlamydien in der Katzenseuche-Katzenschnupfen-Kombination enthalten. Aber eigentlich sind sie nahezu wirkungslos, erhöhen aber die Gefahr für Nebenwirkungen.

Impfung gegen FIP (Feline Infektiöse Peritonitis): Viele Forscher raten davon ab, Katzen gegen FIP zu impfen. Der Impfstoff sei wirkungslos und soll sogar einen Ausbruch der Krankheit begünstigen. Eine deutsche Studie unterstützt die These.

Katzen impfen nebenwirkung
Nebenwirkungen wie Fieber und Müdigkeit können nach Impfungen auftreten

Nebenwirkungen von Impfungen

In der Regel kommen Katzen mit Impfungen recht gut klar. Auch ich habe meine Katzen impfen lassen und konnte keinerlei Nebenwirkungen feststellen. Allerdings gibt es eben wie bei uns Menschen auch Risiken.

Einige Katzen können leichte Nebenwirkungen zeigen. Dazu zählen: Fieber, Müdigkeit, Schmerzen, kein Hunger. Hin und wieder fallen die Nebenwirkungen auch heftiger aus und es kommt zu Erbrechen, Durchfall oder Atemnot. Es kann auch zu allergischen Reaktionen oder Hautreizungen sowie Schwellungen kommen.

Tumore durch Impfungen

Die schlimmsten Nebenwirkungen sind Tumore, auch Impfsarkome genannt. Es handelt sich hierbei um bösartige Tumore, die an den Injektionsstellen entstehen. Hierzulande sollen rund 2000 Katzen pro Jahr diese Impfsarkome bekommen.

Achtung: Wenn nach dem Impfen der Katze an der Einstichstelle ein kleiner Knoten entsteht, ist das noch nicht bedenklich. Bleibt dieser allerdings über mehrere Wochen erhalten und auch zusehends wächst, solltest du mit deiner Katze schnellstmöglich zum Tierarzt.

Vorsorge: Adjuvansfreie Impfstoffe

Wie kann man solche Nebenwirkungen verhindern? Viele Forscher und Veterinärmediziner raten:

  • 1. Nur so häufig wie nötig Katzen impfen: Verzichte auf wirkungslose Impfungen oder überflüssige Auffrischungen
  • 2. Achte auf adjuvansfreie Impfstoffe: Das sind Impfstoffe ohne Wirkstoffverstärker. Lebendimpfstoffe gelten als adjuvansfrei. Totimpfstoffe sind hingegen häufig mit vielen Adjuvantien versetzt. Diese werden für die Tumorbildung verantwortlich gemacht.

Kosten der Katzenimpfungen

Wie teuer es wird, wenn man Katzen impfen lässt, hängt einerseits vom Impfstoff und andererseits vom Tierarzt ab. So setzen sich die Kosten aus

  • Impfstoff
  • Untersuchung
  • Injektion
  • Impfbescheinigung zusammen.

Es gibt zwar eine offizielle Gebührenordnung für Tierärzte, dennoch schwanken die Preise von Praxis zu Praxis. Eine Dreifach-Kombination aus Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut beginnt bei 25 Euro. Wenn Tierärzte jedoch den dreifachen Satz nehmen, wird es natürlich deutlich teurer. Der Impfstoff gegen Leukose z.B. ist von vornherein teurer.

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