Kopi Luwak: Tierquälerei für Katzenkaffee

Der Katzenkaffee gilt als der teuerste Edelkaffee. Allerdings wird das Geschäft mit dem Kopi Luwak auf Kosten der Schleichkatzen gemacht. Hier alles über das Schicksal der Wildtiere nachlesen!

Katzenkaffee Kopi Luwak
Der grausame Preis für den Katzenkaffee Kopi Luwak (Screenshots vom PETA-Video)

Katzenkaffee: Woher kommt der Name?

Der Begriff Katzenkaffee hat sich hierzulande eingebürgert, ist aber eigentlich eine sehr saloppe Bezeichnung für dieses besondere schwarze Gold, das dahinter steckt. Er hat seinen Ursprung in Indonesien – so erklärt sich auch der Name. Denn „Kopi“ heißt im Indonesischen einfach „Kaffee“ und „Luwak“ ist die einheimische Bezeichnung des Fleckenmusangs, der an der Produktion des Getränks maßgeblich beteiligt ist. Der Fleckenmusang ist eine Schleichkatzenart, ohne die es den Kaffee gar nicht geben würde.

Wie der deutsche Schriftsteller und Zoologe Alfred Edmund Brehm 1883 beschrieb, war der Katzenkaffee damals schon bekannt. Die Einheimischen Indonesiens tranken ihn, weil der „gute“ Kaffee für die Kolonialmächte und den Export in die Mutterländer vorgesehen war. Zu einem Luxusgut wurde der außergewöhnliche Kaffee erst Anfang der 1990er Jahre.

Fleckenmusang: Lebensweise der Schleichkatze

Der wissenschaftliche Name des Fleckenmusangs lautet Paradoxurus hermaphroditus. Er gehört zu der Familie der Schleichkatzen, die sich in drei Unterfamilien einteilen lassen. Die Musangs gehören zu den Palmenrollern, daneben gibt es die Zibetkatzen und Bänder- und Otterzivetten.
Wie unsere Samtpfoten auch sind Schleichkatzen den Katzenartigen (Überfamilie der Raubtiere) zugeordnet. Trotz der verwandtschaftlichen Beziehung finde ich, dass ihr Äußeres – insbesondere die spitze Schnauze – eher an einen Marder oder Wiesel als an Katzen erinnert. Ihr schlanker Körper ist ungefähr 45-55 cm lang, ihr Schwanz ist fast noch einmal so lang. Sie werden zwischen 2,5 und 4 kg schwer.

Der Fleckenmusang lebt in den tropischen Wäldern Süd- und Südostasiens. Man findet ihn sowohl auf dem südasiatischen Festland wie Indien und China als auch auf den Inseln Indonesiens und der Philippinen. Die Schleichkatzen sind eher Einzelgänger und nachtaktiv. Tagsüber machen sie es sich ganz weit oben in Baumkronen und -höhlen bequem, die unseren Augen verborgen bleiben. Aber des nachts kommen sie aus ihren Kojen heruntergeklettert und gehen auf Futtersuche. Sie ernähren sich von Würmern, Insekten, Nüssen und Früchten, wie eben auch der Kaffeefrucht. Mit der Vorliebe für Kaffee begann ihre Leidensgeschichte…

Katzenkaffee Kopi Luwak Entstehung
Die Schleichkatzen können nur das Fruchtfleisch und die Schale der Kaffeekirsche verdauen

Die Entstehung von Kopi Luwak

…denn das Fressen der Kaffeefrüchte bildet sozusagen den Anfang von Kopi Luwak. Wenn der Fleckenmusang auf seine nächtliche Suche geht, durchstreift er auch die Kaffeeplantagen. Mit seiner sensiblen Nase stöbert er die reifsten und fruchtigsten Kaffeekirschen auf, die er dann auch vernascht. Allerdings können die Schleichkatzen nur die Schale und das Fruchtfleisch verdauen. Die Kaffeebohne wird im Ganzen, unverdaut wieder ausgeschieden.

Der Katzenkot inklusive der Bohnen wird von den Kaffeebauern eingesammelt und nach gründlicher Säuberung wie „gewöhnliche“ andere Kaffeebohnen weiterverarbeitet. Sprich, die Bohnen werden dann auch geröstet und gemahlen – und fertig ist der Katzenkaffee.

Was zeichnet den Geschmack des Katzenkaffees aus?

Kopi Luwak ist also keine eigene Kaffeesorte, sondern eine spezielle Form der Kaffeeproduktion. Verwendet werden für den Katzenkaffee in der Regel diese drei Sorten: Excelsa, Arabica und Liberica. Je nach Kaffeesorte soll der Geschmack auch variieren. Aber generell soll er sehr weich und rund sein. Kenner beschreiben den Geschmack als erdig, sirupartig und mild mit einer Note aus Schokolade. Andere, die womöglich eine andere Sorte erwischt hatten, sprechen von einem bitteren und muffigen Geschmack. Vielleicht ist es auch einfach Geschmackssache.

Das charakteristische Aroma hat der Kaffee den Schleichkatzen zu verdanken. So werden die Kaffeebohnen im Magen-Darm-Trakt fermentiert. Man spricht hierbei von einem Nassprozess, bei dem die Bohnen den Verdauungsenzymen und Milchsäurebakterien der Tiere ausgesetzt sind. Der Lebensmittelchemiker der kanadischen Universität von Guelph Massimo Marcone hat in dem Bereich viel geforscht und herausgefunden, dass damit der einzigartige Geschmack erklärt werden kann. So werden den Bohnen durch die Nassfermentation nicht nur Koffein, sondern auch Proteine entzogen. Die abgespaltenen Moleküle und abgebauten Enzyme verändern das Aroma, welches bei der Röstung entsteht. Wie bei anderen nass aufbereiteten Kaffees (Jamaican Blue Mountain, Peaberry) auch, hat der Katzenkaffee weniger Säure und mehr Aldehyde.

Katzenkaffee Kopi Luwak Tierquälerei
Tierquälerische Massenhaltung für den Katzenkaffee

Das große Geschäft mit Kopi Luwak

Wie das mit besonderen Dingen eben immer ist: Daraus wird ein riesiges Geschäft gemacht. Kopi Luwak zählt heute zu den teuersten Kaffees weltweit. Wer sich davon eine Tasse genehmigen möchte, muss tatsächlich tief in die Tasche greifen. Eine kleine Tasse kann schon mal 30 – 50 Euro kosten. Die Kilopreise für das schwarze Gold bewegen sich irgendwo zwischen 300 und 1000 Euro.

Mit dem Aufkommen des Edelkaffees stieg die Nachfrage stetig an, so dass es den Kaffeebauern einfach nicht mehr möglich war, dem Andrang durch reines Einsammeln des Katzenkots Herr zu werden. Was tun sie also? Sie helfen nach und sorgen dafür, dass sie mit weniger Aufwand an viel mehr fermentierte Bohnen kommen.

Schleichkatzen in Gefangenschaft

Genau an dieser Stelle bekommt die Geschichte des Kopi Luwak einen bitteren Beigeschmack. Seit man das Geschäft mit dem Katzenkaffee erkannt hat, werden die Fleckenmusangs in Gefangenschaft gehalten. Die Wildtiere werden in winzige Käfige gepfercht, in denen sie sich kaum bewegen können. Tierschutzorganisationen sprechen von mehreren Zehntausend Schleichkatzen, die in Käfigbatterien ein trauriges Dasein fristen. Dabei ist die Gefangenschaft nur ein Teil des Dramas. So werden die Tiere ausschließlich mit Kaffeekirschen gefüttert. Die einseitige Ernährung führt natürlich dazu, dass es ihnen an Nährstoffen fehlt. Viele haben arge Mangelerscheinungen und werden krank. Außerdem zeigen die Schleichkatzen häufig Verhaltensstörungen, sie drehen sich den ganzen Tag im Kreis und sind kurz vor dem Durchdrehen.

Das Video der Tierschutzorganisation PETA verdeutlicht die schlimmen Zustände.

„Wildlese“: Täuschung der Konsumenten

Um weiter an der Exklusivität des Katzenkaffees zu verdienen, behaupten einige Kaffeebauern trotz der Tierquälerei, dass ihre Bohnen aus reiner Wildsammlung stammt. Nach Angaben von PETA kennt die Industrie die Wahrheit, spielt das Spiel aber mit. Es wurden sogar Wildlese-Siegel eingeführt, die das Gewissen des Konsumenten reinwaschen sollen. Leider ist das oftmals nichts weiter als Täuschung, ein Siegel ohne Wert.

Daher ruft die Tierschutzorganisation alle Konsumenten dazu auf, keinen Kopi Luwak zu kaufen. Egal, wie vertrauenswürdig die Aufmachung und Vermarktung auch wirkt. Ich möchte mich diesem Aufruf anschließen. Die einzige Möglichkeit, die tierquälerischen Bedingungen zu beenden, ist die Nachfrage einzufrieren.

Erste Erfolge der Tierschutzvereine

Im August 2016 gab PETA bekannt, dass zwei Online-Shops Kopi Luwak aus ihrem Sortiment genommen haben. Die Münchener EdelTee GbR sowie der „All you need fresh“ Online-Supermarkt haben sich damit aktiv gegen Tierquälerei ausgesprochen. Man kann nur hoffen, dass weitere Unternehmen dem Beispiel folgen. Wenn du PETA unterstützen möchtest, kannst du ihnen schreiben (per Mail an [email protected]), wenn du irgendwo den Katzenkaffee Kopi Luwak im Sortiment eines Shops gesehen hast.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.