Ocicat – der verschmuste Schelm im Wildlook

Ocicat: Ihr Name klingt wie eine Wildkatze, mit ihren Tupfen sieht sie aus wie eine Wildkatze – aber ist sie auch eine? Hier kannst du alles über die Herkunft und das Wesen der Rassekatze erfahren!

Ocicat
Ocicat – der Begriff vereint „Cat“ und „Ocelot“ (Quelle: Abfotografiert vom „Bassermann Handbuch Katzen“)

Herkunft & Geschichte der Ocicat

Dass es diese wunderschöne Katzenrasse gibt, haben wir genau genommen einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die US-amerikanische Züchterin Virginia Daly hatte nämlich was ganz anderes im Sinn. Eigentlich wollte sie eine Siamkatze mit der Abby-Zeichnung der Abessinier züchten. Mit diesem Zuchtziel kreuzte Virginia Daly im Jahr 1964 einen Siamkater (Chocolate Point) mit einer Siam-Abessinier-Hybrid-Katze. Zu ihrer Überraschung war ein goldgetupfter kleiner Kater in dem Wurf. Er bekam den Namen „Tonga“ und war sozusagen die erste Ocicat – wenn auch ungewollt.

Im Übrigen ist das Wort „Ocicat“ eine Kreation von Virginia Dalys Tochter. Das getupfte Fell rief bei ihr die Assoziation zu einem Ozelot hervor. So wurde aus der Verbindung „Cat“ und „Ocelot“ kurzum „Ocicat“.

Da Tonga jedoch nicht dem Zuchtziel entsprach, trennte sich die Züchterin von dem getupften Kater. Was mit ihm geschah – darüber gibt es nicht ganz stimmige Angaben. Häufig liest man, er wurde verkauft und kastriert. Ich habe jedoch in einem Interview von Bill McKee mit Virginia Daly etwas anderes gelesen (ocicatinfo.com). Dort sagt sie, sie habe Tonga ohne jegliche Papiere an einen Medizinstudenten verkauft. Sie habe später gehört, er hätte viele verschiedene Kreuzzuchten, darunter auch Inzucht durchgeführt. Inwiefern Tonga dabei eine Rolle spielte, ist wohl unklar. Daly sprach in dem Zusammenhang von einem „Massaker“ und dass nur zwei Katzen überlebten.

Vom Zufall zur Zucht

Was genau mit Tonga passierte, ist also nicht ganz klar. Klar ist aber, dass er nicht zur gezielten Zucht der Rasse eingesetzt wurde. Allerdings hatten andere Katzenfans von dem goldgetupften Kätzchen gehört und waren von dem Wildlook sofort begeistert. Einer von ihnen war der Genetiker Dr. Clyde Keele. Daly wurde überzeugt und die Verpaarung von Dalys Siamkater und Abessinier-Siam-Hybride wurde wiederholt. Auch diesmal befand sich ein getupftes Kätzchen in dem Wurf, so dass der Zucht nun nichts mehr im Weg stand. Andere Züchter wie auch Tom Brown taten es ihr gleich, so dass die Entwicklung der Rasse schließlich ihren Lauf nahm. Später hatte man auch American Shorthair eingekreuzt, um den Genpol und die Farbvielfalt auszubauen. In diesem Zuge wurden die Katzen in ihrer Statur auch größer.

Anerkennung der Rasse

Bis zur offiziellen Anerkennung hatte es aber noch einige Jahre gedauert. Erst rund 20 Jahre später, im Jahr 1987 wurde die Ocicat in den USA als eigenständige Rasse anerkannt. Seither hat sie zahlreiche regionale Siege errungen und auch auf nationalen Shows überzeugt, so dass ihre Popularität mehr und mehr zunahm. Schließlich wurde sie auch in andere Länder exportiert und kam so nach Europa. 1991 gab es in Deutschland (Nürnberg) die Anerkennungsshow, woraufhin sich der internationale Dachverband FIFé 1992 für die Anerkennung der Ocicat aussprach.

Ocicat Ozelot
Die Tupfen der Ocicat erinnern an ein Ozelot

Aussehen

Rein äußerlich ist nicht nur die Fellzeichnung der Rase eine Besonderheit. So versprüht sie trotz ihres sehr athletischen, kräftigen Körperbaus pure Geschmeidigkeit und Grazie.
Sowohl Gewicht als auch Größe sind vergleichbar mit unseren Hauskatzen; man zählt sie zu den mittelgroßen Katzen. Die weiblichen Tiere wiegen im Schnitt zwischen 4 kg und 5 kg, die Kater werden in der Regel nicht schwerer als 7 kg.

Sie hat einen kräftigen Knochenbau mit leicht gewölbten Rippen und einem tiefsitzenden Brustkorb. Der Rücken der Ocicat ist gerade und verläuft in Richtung Hinterteil leicht nach oben. Ihre Beine sind mittellang und unglaublich muskulös, was sie zu einer exzellenten Springerin macht. Die Pfoten sind oval und kompakt. Der lange, schlanke Schwanz verjüngt sich zum Ende hin und ist an der Spitze dunkel.

Typisch für die Ocicat ist zudem ihr keilförmiger Kopf, der im Profil eine sanfte Einbuchtung aufweist. Nicht nur die Wangen sind gut ausgeprägt, auch das Kinn ist kräftig und das Maul recht breit. Die mandelförmigen Augen der Katze sind relativ groß, sitzen leicht schräg und stehen recht weit auseinander. Was die Augenfarbe anbelangt, gibt fast es keine Beschränkungen; nur Blau ist nicht zulässig. Ihre Ohren sollten mittelgroß bis groß sein. Sie sitzen an den äußeren Ecken des Kopfes und sind in Lauschstellung – was die Ocicat immer wachsam erscheinen lässt. Haarpinsel an den Ohren sind sehr gerne gesehen.

Fell & Fellzeichnungen

Die Katzenrasse zählt zu den Kurzhaarkatzen. Ihr Fell ist also kurz, dennoch sehr dicht und seidig glänzend. Wie man es auch von der Abessinier kennt, soll jedes Haar mehrere Farbstreifen besitzen, so dass ein einzigartiger Schimmer entsteht. Ihr Erkennungsmerkmal sind die Tupfen, die der Ocicat den Look einer Wildkatze verpassen. Dabei sind die Tupfen daumengroß und heben sich eindeutig von der Grundfarbe des Fells ab. Am Rücken ist die Anordnung der Tupfen recht regelmäßig, am Bauch und an den Seiten weniger. Am Schwanz, an den Beinen und im Gesicht ist die Fellzeichnung dunkler. Auf der Stirn hat die Katze zudem ein gezeichnetes „M“ (Tabby-Zeichnung) und von ihren Augen und Wangen verläuft jeweils ein streifenförmiges Abzeichen.

Die folgenden sechs Farben sind mit und ohne Silberung erlaubt:

  • Black
  • Chocolate
  • Cinnamon
  • Lavender
  • Blue
  • Lilac

Wesen und Charakter der Ocicat

Ocicat Charakter
Die Rasse ist temperamentvoll & zugleich verschmust

Auch wenn sie rein optisch den Eindruck einer Wildkatze erweckt – genetisch betrachtet, ist sie „wildkatzenfrei“. Dennoch ist sie eine äußerst temperamentvolle, aktive und energiegeladene Katze mit einem starken Charakter. Sie ist ungemein kontaktfreudig und gesellig. Liebend gern begrüßt sie nicht nur ihr vertraute Menschen, sondern auch Fremde und heißt sie herzlich willkommen, wenn sie das Haus betreten. Ich würde sagen, sie gehört in jedem Fall zu den gesprächigeren Katzen. Aufgeschlossen ist sie sowohl Erwachsenen als auch Kindern gegenüber. Auch Artgenossen und Hunde sind willkommene Spielgefährten.

Ocicat-Halter berichten zudem, dass in ihr ein kleiner Clown steckt, der stets zum Scherzen aufgelegt ist und Streiche ausheckt. Sie weiß demnach, ihren Spieltrieb super mit ihrer Intelligenz zu verknüpfen. Mit diesen Katzen gibt es immer etwas zu lachen, es wird nie langweilig. Aber, sie will eben auch gefordert und beschäftigt werden und z.B. Kunststücke lernen.

Ihrem Bewegungsdrang wird man am besten gerecht, wenn man ihr Freigang anbietet. Außerdem kann sie dann beweisen, was für eine gute Jägerin sie ist. Wem das nicht möglich ist, der sollte zumindest über einen geschützten Balkon oder Garten verfügen.

Die Ocicat hat aber auch ihre „weiche“ Seite. So hat sie von der Siamkatze die Anhänglichkeit und Verschmustheit mitbekommen. Der beste Schlafplatz ist an der Seite ihrer Menschen.

Haltung und Pflege

In dem Zuhause, in dem sich eine Ocicat wohlfühlt, darf es gern etwas wilder zugehen. Viele Familienmitglieder, gern Kinder und perfekt sind noch andere Artgenossen. Sie ist sehr agil, weshalb sie auch Freigang oder einen geschützten Außenbereich bekommen sollte. Aber auch ihr Kopf möchte beschäftigt werden – verschiedene Spiele oder auch Clickertraining sind willkommene Aktivitäten. Ist eine Ocicat den ganzen Tag allein oder bekommt nicht die nötige Aufmerksamkeit, dann beschäftigt sie sich anderweitig – und dabei können sie äußerst kreativ werden. Verhaltensauffälligkeiten sind bei Vernachlässigung nicht ungewöhnlich. Artgerechte Haltung heißt bei dieser Rassekatze also Beschäftigung, Bewegung, Aufmerksamkeit sowie Liebe und viele Streicheleinheiten. Nicht kaufen und dann einfach in einer Ecke abstellen, wie ein Spielzeug.

In der Pflege ist sie aber sehr anspruchslos. Das kurze Fell sollte nur hin und wieder gebürstet werden, um loses Haar zu entfernen.

Rassespezifische Krankheiten

Man könnte sagen, es handelt sich um eine recht robuste Rassekatze. So sind bisher keine für die Ocicat typische Krankheiten bekannt.

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