Schilddrüsenüberfunktion der Katze: Ein Überblick

Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze wird in vielen Fällen recht spät erkannt, da ihre Symptome anfänglich sehr schwach ausgeprägt sind und leicht übersehen werden können. Dabei ist eine Früherkennung für die Behandlung von Vorteil. Hier alles zur Hyperthyreose nachlesen!

Schilddrüsenüberfunktion Katze
Schilddrüsenüberfunktion der Katze: eine häufige hormonelle Erkrankung

Schilddrüsenüberfunktion der Katze: Häufig bei älteren Katzen

Die Schilddrüsenüberfunktion ist die bei Katzen am weitesten verbreitete hormonelle Erkrankung. Bei Hunden spielt die Krankheit beispielsweise kaum eine Rolle. Meist sind Katzen über 8 Jahre von der felinen Hyperthyreose, wie sie in der Veterinärmedizin bezeichnet wird, betroffen. Dass Katzen überhaupt Probleme mit der Schilddrüse haben könnten, ist erst seit ca. 35 Jahren bekannt. Erstmals war die Überfunktion der Schilddrüse bei Katzen in einem US-amerikanischen Artikel in den 1980ern erwähnt worden. Seither scheint die Erkrankung immer öfter Thema zu sein. Ob das daran liegt, dass Katzen heute viel älter werden als noch vor 50 Jahren oder dass sie früher einfach nicht erkannt wurde, ist ungeklärt. Ebenso fraglich sind die Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen. Bisher gibt es nur Spekulationen. Einige nehmen an, dass chemische Substanzen, die über das Fertigfutter aufgenommen werden, schuld seien.

Überfunktion der Schilddrüse: Was bedeutet das?

Die Schilddrüse ist ein wichtiges Organ, das für die Produktion von Hormonen verantwortlich ist, die über das Blut in jede Zelle des Organismus transportiert werden. Wie bei uns Menschen auch besteht sie aus zwei Drüsenlappen. Sie sind voneinander getrennt und befinden sich in der Regel bei Katzen links und rechts von der Luftröhre. Sie sind äußerlich nicht sichtbar und können auch nicht ertastet werden. Bei den sogenannten Schilddrüsenhormonen, die im Organ produziert und gespeichert werden, handelt es sich um Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3) und Vorstufen dieser Hormone. Diese sind maßgeblich an den Stoffwechselvorgängen beteiligt. Das heißt, sie aktivieren in verschiedenen Organen in unterschiedlichsten Graden den Stoffwechsel.

Was passiert nun bei der Schilddrüsenüberfunktion der Katze? Der Name verrät es eigentlich schon, denn bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone. Das hat zur Folge, dass die Zellen zu schnell arbeiten und nahezu jedes Organ im Körper beeinflusst wird. Kurzum, die Körperfunktionen der Katze arbeiten mit Volldampf.

In den meisten Fällen haben Katzen mit einer Schilddrüsenüberfunktion eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse. Dieser gutartige Tumor (Adenom) kann sich nur auf einem der beiden Lappen befinden. Häufiger ist er jedoch an beiden Lappen vorzufinden, so dass beide vermehrt Hormone produzieren.
Deutlich seltener wird ein bösartiger Tumor festgestellt. Bei nur rund zwei Prozent der erkrankten Katzen sind Karzinome im Spiel.

Symptome bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Wie bereits angedeutet, arbeitet der Körper der Katze mit Hochdruck, so dass es zu einer erhöhten Herzfrequenz, gesteigertem Blutdruck und damit höherem Energiebedarf kommt. Deshalb wirken viele Katzen anfangs auch, als würden sie einen zweiten Frühling erleben. Sie sind aktiver, aufgeweckter und haben auch viel mehr Hunger.
Die Symptome bei Schilddrüsenüberfunktion sind zwar sehr vielschichtig und bei jeder Katze etwas anders. Dennoch gibt es typische Anzeichen, die man bei der Mehrzahl der Katzen beobachten kann. Daher solltest du auf folgende Veränderungen achten:

Gewichtsverlust: Die Katze magert immer mehr ab, obwohl sie deutlich gesteigerten Appetit zeigt. Grund dafür ist die aus der Erkrankung resultierende negative Energiebilanz, die den Abbau von Muskeln und somit den Gewichtsverlust zur Folge hat.

Fell: Das Fell wirkt struppig, matt, ungepflegt und fühlt sich dabei oft fettig an. Es kann zudem zu ungleichmäßigem Haarausfall kommen; einige Katzen rupfen sich ihr Fell auch aus.
vermehrter Durst: Katzen trinken mehr als früher und setzen auch mehr Harn ab.

Aktivität: Viele Katzen wirken ruhelos, hyperaktiv, geistern umher und machen einen nervösen Eindruck. Zugleich sind sie aber nicht mehr belastbar.

Aufsuchen kalter Schlafplätze: Kalte Böden und Räume werden den sonst so beliebten kuscheligen Schlafplätzen vorgezogen.

Schilddrüsenüberfunktion Katze Symptome
Ein typisches Symptom: Katzen suchen sich kalte Liegeplätze

Erbrechen: Es kommt zu chronischem Erbrechen, das auch von Durchfall begleitet werden kann.

schnelleres Krallenwachstum

Aggressivität: Einige Katzen verändern ihr Verhalten dahingehend, dass sie reizbarer und aggressiver ihren Artgenossen und Menschen gegenüber werden.

Hecheln, Atemprobleme bis hin zu Atemnot

Schwäche

In der ersten Zeit der Erkrankung sind die Symptome jedoch noch recht schwach ausgeprägt oder treten nur vereinzelt auf. Es ist also – selbst wenn man sehr aufmerksam ist – nicht so leicht, eine Schilddrüsenüberfunktion der Katze festzustellen. In vielen Fällen wird sie erst erkannt, wenn die Tiere bereits mehrere Monate krank sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Katzen Meister darin sind, still zu leiden. Unsere einzige Chance ist daher, auf Verhaltensveränderungen unserer Samtpfoten besonders zu achten. Wir kennen unsere Tiere am besten und können am ehesten feststellen, dass etwas nicht stimmt. Herauszufinden, was genau dahinter steckt, das ist dann die Aufgabe des Tierarztes. Denn anhand der Anzeichen kann keine zweifelsfreie Diagnose erstellt werden. So sind die Symptome einer Niereninsuffizienz gar nicht so unähnlich.

Mein Tipp daher: Zeigt deine Katze Verhaltensänderungen, die dir merkwürdig vorkommen, lass einfach mal den Tierarzt drauf schauen. Ich bin zudem Befürworter von jährlichen Check-ups. Bei Katzen über 8 Jahren sollte man sowieso regelmäßige Kontrollen durchführen, da im Alter viele Probleme, z. B. Arthrose bei Katzen auftreten können.

Atypische Schilddrüsenüberfunktion: Nicht alle Katzen (rund 15 Prozent) zeigen die oben genannten Anzeichen. Manche werden auch einfach ruhiger, fressen weniger, ziehen sich mehr zurück. Hierbei spricht man von der „stillen“ Schilddrüsenüberfunktion. Ich finde, diese Symptome sind noch weniger eindeutig, da sie auch als normale Alterserscheinungen eingestuft werden können. Ebenso im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kann die anfängliche Ruhelosigkeit in Lethargie und Schwäche umschlagen.

Begleiterscheinungen & Folgen der Hyperthyreose

Da bei der Schilddrüsenüberfunktion der Katze ihr Körper dauerhaft auf Hochtouren läuft, kann es langfristig zur Beeinträchtigung und Schädigung einzelner Organe kommen. Vor allem, wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Häufig betroffen sind Herz und Nieren, die übermäßig beansprucht werden.

Herzmuskelerkrankung: Da der Herzmuskel auch mit erhöhter Leistung arbeitet, kann dies zu einer Verdickung der Herzmuskelwände führen. Dauerhaft kann der Herzmuskel diese Anforderung aber nicht erfüllen und ermüdet, es kommt zu einer Herzschwäche, die im Herzversagen enden kann.

Lungenödem: Eine weitere Begleiterscheinung ist, dass sich Wasser auf der Lunge absetzt (oder in der Brusthöhle = Brusthöhlenerguss). Atemnot ist die Folge.

Nierenschäden: Da die Niere bei der Schilddrüsenüberfunktion der Katze ebenfalls beeinträchtigt wird, ist es wichtig, die Nierenwerte bei der Diagnose ebenfalls zu checken. Sie sollten zudem regelmäßig kontrolliert werden, da eine chronische Niereninsuffizienz aus der Erkrankung resultieren kann.

Magen-Darm-Probleme: Störungen im Magen-Darm-Trakt sind ebenfalls als Begleiterscheinung möglich.

Erblindung: Der Bluthochdruck kann auf lange Sicht auch zur Erblindung einer Katze führen, wenn es zu Einblutungen in die Netzhaut kommt.

Schilddrüsenüberfunktion Katze Diagnose
Die Schilddrüsenüberfunktion lässt sich mit einem Bluttest feststellen

Diagnose von Schilddrüsenüberfunktion

Anhand der Symptome lässt sich zunächst eine Verdachtsdiagnose erstellen. Diese kann mithilfe eines Blutbildes recht einfach bestätigt oder widerlegt werden. In der Regel wird im Blut ein Überschuss an T4 festgestellt. Nur in seltenen Fällen zeigt sich kein erhöhter T4-Wert. Hier empfiehlt sich, die Blutabnahme zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Daneben können andere Schilddrüsenwerte wie T3 hinzugezogen werden. Des Weiteren sind die Leberwerte häufig verändert, die Nierenwerte sollten vor der Behandlung ebenfalls kontrolliert werden, um Risiken auszuschließen.

Behandlung: Verschiedene Therapiemethoden

Wird die Schilddrüsenüberfunktion der Katze nicht behandelt, baut die Katze immer mehr ab und es kann durch die Dauerbelastung der Organe zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die bei der Erkrankung angewendet werden. Jede hat gewisse Vor- und Nachteile, daher sollen sie im Folgenden näher betrachtet werden.

1. Behandlung mit Medikamenten

Diese Therapieform kommt heute am häufigsten zur Anwendung, da sie in der Regel recht zuverlässig ist und bei fast allen Katzen wirkt. Es handelt sich bei der Behandlung um die Gabe von Tabletten – entweder Thiamazol oder Carbimazol. Diese Stoffe hemmen die übermäßige Produktion der Schilddrüsenhormone, insbesondere von Thyroxin. Sie werden ein bis zwei Mal täglich oral verabreicht. Die medikamentöse Behandlung erfolgt ein Leben lang.

Nebenwirkungen: Da das Medikament auch Nebenwirkungen haben kann, macht es Sinn, die Behandlung mit einer geringen Dosis zu beginnen. Nach drei bis vier Wochen wird dann erneut Blut abgenommen, um die Nieren- und Leberwerte zu kontrollieren und die Wirkung auf das Schilddrüsenhormon zu checken. Verträgt die Katze das Medikament gut, kann die Dosis langsam erhöht werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Lethargie, Appetitlosigkeit oder Erbrechen, die sich aber in der Regel nach einer Weile wieder legen. Sehr selten kann die Tablette auch Leberschäden oder starken Juckreiz hervorrufen oder zur Verminderung der weißen und roten Blutzellen und -plättchen führen. Hier sollte in jedem Fall Absprache mit dem Tierarzt geführt und womöglich das Medikament abgesetzt werden.

Probleme bei der Tablettengabe
Jeder Katzenhalter weiß, das Verabreichen von Tabletten ist nicht immer ganz so einfach. Sollte deine Katze die Gabe komplett verweigern, gibt es glücklicherweise noch eine Alternative. Man kann die Arznei in der Apotheke auch zu einer Salbe verarbeiten lassen. Diese müsstest du dann (mit Gummihandschuhen) für ca. 30 Sekunden bis zwei Minuten auf der Ohrinnenseite einmassieren. So wird das Thiamazol direkt über die Haut aufgenommen und gelangt so in die Blutbahn.

2. Therapie mit speziellem Futter

Eine recht neue Behandlungsmethode bei Schilddrüsenüberfunktion der Katze ist die Fütterung mit Diätfutter. So wurde ein medizinisches Katzenfutter entwickelt, das einen besonders geringen Jodanteil besitzt. Hiermit soll es ebenso möglich sein, die Schilddrüsenfunktion auf Normalzustand zu bringen. Studien haben gezeigt, dass bei Katzen, die mit dem Spezialfutter therapiert wurden, bereits nach drei Wochen eine Verringerung der Schilddrüsenwerte erreicht werden konnte. Diese Therapieform hat allerdings eine Bedingung: Es muss sichergestellt werden, dass die Katze ausschließlich dieses Futter zu sich nimmt. Ich denke bei Wohnungskatzen, die allein gehalten werden, ist dies sicherlich recht gut umsetzbar. Vorausgesetzt, sie frisst das Futter überhaupt. Ist diese Ausgangssituation gegeben, kann auf die Gabe von Medikamenten verzichtet werden – das Spezialfutter genügt. Regelmäßige Kontrollen der Werte sind dennoch wichtig!

Schilddrüsenüberfunktion Katze Therapie
Therapie über Diätfutter: Andere Leckereien sind dann verboten!

3. Radiojodtherapie

Eine weitere Möglichkeit, bei Katzen eine Schilddrüsenüberfunktion zu behandeln, ist die Radiojodtherapie. Bei dieser Form wird den Tieren ein radioaktives Jodisotop in die Venen gespritzt. Dieses injizierte Jod wird zunächst von den Schilddrüsenlappen aufgenommen. Anschließend sorgt es dafür, dass das hyperaktive Schilddrüsengewebe schrumpft, ohne dabei gesunde Teile der Schilddrüse zu beeinträchtigen. Es findet also eine dauerhafte Heilung statt.

Die Nachteile dieser Methode:

  • Sie wird – meines Wissens nach – nur in zwei Tierkliniken in Deutschland durchgeführt: in Gießen und in Norderstedt.
  • Es handelt sich um eine stationäre Therapie. Das heißt, die Katzen müssen einige Tage in der Klinik bleiben. Erst wenn sie keine radioaktiven Substanzen mehr ausscheiden, dürfen sie wieder nach Hause.
  • Die Methode ist sehr kostspielig.
  • Sie darf nur angewandt werden, wenn die Medikamente zuvor abgesetzt wurden und noch keine Nierenschädigung vorliegt.

4. Chirurgischer Eingriff

Diese Therapieform kommt heute nicht mehr so häufig zum Einsatz. So ist das Risiko bei Narkosen für Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion nicht zu unterschätzen. Zum anderen besteht die Gefahr, die Nebenschilddrüse beim Eingriff zu verletzen. Diese ist für den Calciumstoffwechsel zuständig und damit ebenso wichtig für Katzen.
Darüber hinaus kann es passieren, dass nach Entfernung des veränderten Gewebes, die Hyperthyreose an anderer Stelle der Schilddrüse auftritt. Somit überwiegen bei dieser Methode im Vergleich zu den Heilungschancen in jedem Fall die Risiken.

Zusammenfassung

Die Schilddrüsenüberfunktion der Katze tritt bei älteren Tieren recht häufig auf. Anhand eines Bluttests lässt sie sich aber sehr leicht feststellen. Wichtig ist, dass Katzenhalter mögliche Veränderungen der Katze wahrnehmen bzw. dass sie mit ihren Senioren einmal jährlich zum Check-up gehen. Hier können Probleme erkannt und entsprechende Behandlungen angegangen werden. Je früher bei Katzen die Schilddrüsenüberfunktion festgestellt wird, umso besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

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