Sibirische Katze: Die allergikerfreundliche Waldkatze?

Die Sibirische Katze wird in Russland als „Sibirskaja Koschka“ bezeichnet. Welches Wesen hinter der Naturrasse steckt und, ob die Waldkatze wirklich für Allergiker geeignet ist, erfährst du hier!

Sibirische Katze
Die Sibirische Katze ist eine natürliche Rassekatze

Auch wenn die Übersetzung aus dem Russischen „Sibirskaja Koschka“ jetzt der offizielle Rassename ist, anfänglich war es nicht wirklich als Rassenbezeichnung gedacht. Vielmehr wurden so volkstümlich alle robusten Katzen mit opulentem, langem Fell bezeichnet, die im ehemaligen Gebiet der Sowjetunion verbreitet waren und noch immer sind.

Sibirische Katze: Herkunft und Geschichte

Die Sibirier zählen zu den Naturrassekatzen, da sie sich ohne Einwirken von uns Menschen entwickelt haben. Sie zählt zu den Halblanghaar-Katzen und wird wie die Norwegische Waldkatze oder Maine Coon den Waldkatzen zugeordnet. Die Heimat der Sibirischen Katze ist das eisige Sibirien sowie umliegende Gebiete aus der ehemaligen UdSSR. Dort wird sie schon sehr lange von der einfachen Bevölkerung als Mäusefänger geschätzt.

Allerdings ist die genaue Entstehung der heutigen Sibirier sehr umstritten. Früher nahm man an, dass sie von der Kaukasischen Wildkatze (Felis Silvestris Caucasica) abstamme. Ein Vertreter dieser These ist Alexander Kolesnikov, Doktor der Molekulargenetik. Er spricht sich dafür aus, dass Merkmale der Kaukasischen Wildkatze in den Sibiriern stecke, was sich in den Ähnlichkeiten von Fell und Körperbau widerspiegle. Beweise für diese Vermutung fehlen jedoch bis heute.

Neue Ergebnisse der Oxford-Genforscher

Hinzu kommt, dass 2008 über die Universität Oxford eine Genuntersuchung durch das Team von Genetiker Carlos Driscoll durchgeführt wurde. Sie hatten mehr als 1100 Katzen aus fünf Kontinenten untersucht, darunter Wild- und Hauskatzen sowie 22 Rassen. Sie stellten fest, dass ausnahmslos alle Katzen von der Falbkatze (Felis silvestris libyca), die eher unter dem Namen Afrikanische Wildkatze bekannt ist, abstammen. Sie gilt als Mutter der heutigen Hauskatze. Diese Ergebnisse werfen natürlich wieder Fragen auf, was die These von Kolesnikov angeht. Die Studie von Carlos Driscoll hatte zudem ergeben, dass die Sibirische Katze einen sehr gemischten Genpool aufweist, in dem auch Verwandtschaften zur Maine Coon und zu norwegischen und finnischen Katzen ablesbar sind.

Diese Ergebnisse stützen den Vermutung, dass die Verbreitung der Rasse von Westeuropa in Richtung Nord-Ost stattfand. Das ist auch die Richtung, in der wir Menschen gewandert sind. Andere Forscher wiederum gehen immer noch davon aus, dass das Langhaargen nicht nach Russland gebracht wurde, sondern dort als Mutation entstanden ist. Auch die These, das dichte Fell der Katze wäre durch das eisige Klima Sibiriens entstanden, ist nicht haltbar. Der Prozess würde einfach viel länger brauchen. Es gibt also noch viele Unstimmigkeiten, was die Entstehung und Verbreitung der Rasse anbelangt.

Sibirische Katze Herkunft
Kommt sie aus Sibirien? Die Genese der Sibirischen Katzen ist noch nicht vollends geklärt

Erste Aufzeichnungen

Erstmals erwähnt wurde die Sibirische Katze Ende des 19. Jahrhunderts in „Brehms Tierleben“ (1864). Dort findet sich die Formulierung „eine rote Tobolsker Katze aus Sibirien“. Auch der Begründer der modernen Rassekatzenzucht Harrison William Weir hat sich mit der sibirischen Naturkatze befasst. In seinem 1889 erschienen Buch „Our Cats“ gibt es ein ganzes Kapitel mit einer Zeichnung über die Rasse. Ebenso im „Illustrierten Katzenbuch“ von Jean Bungartz (1896 in Berlin erschienen) ist von den langhaarigen Katzen die Rede, wobei er den Naturforscher Gustav Radde zitiert. Der Forscher Radde hatte die Katzen im östlichen Uralgebirge, in der Umgebung von Tjumen gesehen.

Die Zucht der Sibirskaja koschka

Der Begründer der modernen Katzenzucht Harrison Weir veranstaltete 1871 zusammen mit seinem Bruder die erste Katzenausstellung, die im Londoner Kristallpalast stattfand. Obwohl Langhaarkatzen noch recht unkonventionell und rar waren, gab es unter den Präsentationen auch langhaarige Katzen aus Russland. Aufgrund der Seltenheit wurden alle möglichen Langhaarkatzen zunächst wild durcheinander gekreuzt. So entstand im Übrigen die Perserkatze, deren Gene mehrheitlich von der russischen Langhaarkatze stammen.

Die Zucht der Sibirischen Katze wurde jedoch nicht weiter verfolgt, die Katze geriet in Vergessenheit. Erst rund 100 Jahre später fand sie ihren Weg nach Europa und die gezielte Zucht nahm ihren Lauf. Alles begann 1984 in der ehemaligen DDR, als Arbeiter der Druschba-Trasse (Erdgasleitung von Russland in die Ukraine) ihre eigenen Katzen aus der Heimat mitnahmen. Deshalb findet man heute auch hin und wieder den Begriff „Trasse-Katze“. Außerdem sollen auch in der DDR stationierte Soldaten der roten Armee ihre Katzen mitgebracht haben.

Bereits 1986 wurde die Sibirische Katze, die damals noch unter dem Namen Sibirische Waldkatze geführt wurde, auf Ausstellungen präsentiert. Bereits ein Jahr später (1. Januar 1987) wurde sie in der DDR offiziell als Rassekatze anerkannt – und damit sogar eher als in der ehemaligen Sowjetunion. Der VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) ordnete sie den Halblanghaarkatzen zu und legte einen Standard fest. Der erste eingetragene Kater hieß Wuschel, im Mai 1988 folgte der erste offizielle Wurf.

Nachdem die DDR den Anfang machte, musste sich Russland aber wirklich ranhalten. In St. Petersburg wurde die gezielte Zucht der Sibirischen Katze 1987 in Gang gesetzt.

Exkurs: Im ehemaligen Leningrad hatten die Langhaarkatzen schon einmal eine wichtige Stellung eingenommen. Nachdem Leningrad im Zweiten Weltkrieg jahrelang durch deutsche und finnische Truppen blockiert wurde, hatte die ausgemergelte Stadt mit einer extremen Mäuseplage zu kämpfen. Die Rettung kam aus Tjumen. Von dort hatte man rund 5000 Katzen nach St. Petersburg bringen lassen und in der Stadt angesiedelt.

Sibirische Waldkatze ohne „Wald“

Kaum hatte die Zucht in Russland begonnen, wurden Richter und Züchter aus aller Welt auf die Naturrasse aufmerksam. Der Export nach Westeuropa und die USA begann. Aufgrund der Verwechslungsgefahr mit der Norwegischen Waldkatze, hatte man 1991 den Wortteil „Wald“ gestrichen und die Sibirische Waldkatze in die Sibirische Katze umbenannt.
Offiziell anerkannt wurde die Rasse von der World Cat Federation (WCF) 1992, erst acht Jahre später kam die Anerkennung durch den Verband Fédération Internationale Féline (FIFe) dazu.

Sibirische Katze Neva Masquarade
Die Neva Masquarade wurde nach dem Fluss in St. Petersburg benannt

Neva Masquarade

Hinter dem Namen verbirgt sich eine besondere Form der Sibirier. Es handelt sich um die Point-Katze, die in Russland von Beginn an erlaubt war. Der Name „Newskaja Maskaradnaja“ leitet sich vom Fluss Newa, der durch St. Petersburg fließt, ab.

Aussehen der Sibirier

Die Rasse wird den mittelgroßen bis großen Katzen zugeordnet, wobei sie die kleinste unter den Waldkatzen ist. Für Laien ist es allerdings gar nicht so leicht, die drei Waldkatzen Maine Coon, Norweger und Sibirische Katze auseinanderzuhalten. Aber beim genaueren Hinsehen lassen sich dann doch auch Unterschiede – beispielsweise bei der Kopfform – feststellen.

Sibirische Katze Aussehen
Die Sibirier sind typische Waldkatzen.

Zurück zur Trassekatze: Auffallend ist der große Unterschied zwischen Kater und Katzen. Weibliche Tiere wiegen in der Regel zwischen 4 bis 6 Kilogramm, während Kater mindestens 6 Kilogramm bis 9 Kilogramm, unter Umständen sogar 10 Kilogramm auf die Waage bringen. Sie hat einen muskulösen und recht schweren Körperbau. Sie steht auf weniger hohen Beinen als die Norwegische Waldkatze. Die mittellangen Beine sind dennoch kräftig mit markant großen runden Pfoten. Haarbüschel zwischen den Zehen sind gern gesehen.
Ihr buschiger Schwanz ist kürzer als bei Main Coon und der Norweger und läuft am Ende spitz zu.

Vor allem im Seitenprofil des Kopfes kann man sehen, dass sich die Sibirische Katze von den anderen Waldkatzenarten abhebt. Die Kopfform ist gerundet und wirkt dadurch milder als das dreieckige Gesicht der Skandinavierin. Dem norwegischen geraden Nasenprofil steht zudem der breite, leicht gewölbte Nasenrücken der Sibirier gegenüber. Die Schnauze ist kurz und rund, ihre Wangenknochen sind sehr ausgeprägt und sitzen recht tief. Ihre weit gesetzten Ohren sind mittelgroß und am Ansatz breit, aus der Ohrmuschel ragen feine Härchen. Luchspinsel sind nicht Pflicht, aber überaus willkommen.

Die großen, ovalen Augen der Katze sitzen leicht schräg und können alle möglichen Farben haben. Die Farbgebung reicht meist von Gelb bis Grün, bei weißem Fell sind auch blaue Augen möglich. Ihr Kopf sitzt auf einem kurzen, kräftigen Hals.

Hinweis: Die Katzenrasse ist erst mit ca. 3 bis 4 Jahren richtig ausgewachsen.

Sibirische Katze Fell
Bei der Sibirischen Katze sind fast alle Fellfarben erlaubt

Fell & Fellfarben

Das Fell der Sibirischen Katze ist mittellang und üppig. Sie hat recht langes, etwas gröberes Deckhaar, das wasserabweisend ist. Was die Unterwolle betrifft, muss man zwischen Winter- und Sommerfell unterscheiden. Im Winter hat sie sehr dichte, feine Unterwolle, die an Kragen, Hals und Brust besonders ausgeprägt ist. Mit der Löwenmähne wirkt sie im Winter also sehr plüschig. Am Sommer hingegen bleibt von der Unterwolle kaum etwas übrig, nur der Schwanz bleibt so buschig.

Hinweis: Wer sich im Sommer eine Sibirische Katze kaufen will, sollte den Fellwechsel im Hinterkopf behalten. Du musst also keinesfalls enttäuscht sein, wenn die Tiere beim Züchter mit einem spärlich bekleideten Haarkleid daherkommen. Im Winter sieht das gleich wieder ganz anders aus!

Was die Fellfarben anbelangt, gibt es kaum Einschränkungen. Die Rasse kommt nahezu in allen Farben vor. Lediglich Chocolate und Cinnamon sind nach dem Rassestandard nicht erlaubt.

Charakter der Sibirischen Katze

Katzenhalter, die Erfahrungen mit dieser Rasse gesammelt haben, beschreiben ihre Sibirier als sehr freundliche und relativ unkomplizierte Mitbewohner. Die Aussage: „Sie sind normal“ – habe ich auch hier und da gesehen. Sie ist kein Duracell-Hase, aber eben auch keine Couch-Potato. Ihr Wesen weist also in keinster Weise „extreme“ Züge auf. Natürlich kann man sie nicht alle über einen Kamm scheren, jede Katze hat ihren ganz eigenen Charakter. Aber Tendenzen lassen sich dennoch sehr gut ableiten.

Wie gesagt, Bewegungsdrang ist vorhanden, aber nicht übertrieben ausgeprägt. Zudem ist sie eine gute Mäusefängerin, wenn sie darf und sie klettert und springt auch gern.

Sibirische Katzen sind in jedem Fall sehr liebe- und schmusebedürftig. Wurde sie von klein auf sozialisiert, baut sie eine innige Bindung zu ihren Menschen auf. Manchmal verhält sie sich wie ein Hund, folgt ihren Haltern auf Schritt und Tritt, will einfach überall dabei sein. Sie wird dabei aber keinesfalls aufdringlich, sie zeigt sich einfach sehr interessiert.

Zudem ist sie überaus intelligent. Sie hat beispielsweise schnell den Dreh raus, wie man Türen öffnet. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie einfach Lust hat, Neues zu lernen und gern geistig gefördert und gefordert wird. Außerdem gehört sie zu den Rassekatzen, die ein Faible für Wasser haben und gern damit spielen, wo immer sich die Gelegenheit ergibt.

Darüber hinaus ist die Sibirische Katze sehr sozial. Andere Artgenossen sind zum Schmusen und Spielen in jedem Fall willkommen. Sie soll auch ein Herz für Hunde haben – manchmal zieht sie den hechelnden Freund zum Kuscheln sogar Artgenossen vor.

Einige Halter beschreiben ihre „Sibis“ auch als recht redselig. Andere wiederum sagen, sie sind eher ruhige Katzen. Das ist wohl von Typ zu Typ unterschiedlich. Aber ihr Schnurren soll lustigerweise relativ laut sein.

Sibirische Katze Haltung
Die Sibirier sind recht pflegeleicht

Pflege und Haltung der Rasse

Grundsätzlich gehören die Sibirier eher zu den pflegeleichteren Katzen. Aufgrund ihres natürlichen Bewegungsdrangs sollte sie ausreichend Platz und Klettermöglichkeiten besitzen. Ein gesicherter Garten oder Balkon wären großartig. Sie kann aber auch problemlos als Freigänger gehalten werden. In jedem Fall solltest du es vermeiden, sie als Einzelkatze zu halten. Dafür ist sie zu sozial und allein sein mag sie auch nicht so sehr.
Die Fellpflege ist bei der Sibirischen Katze easy. Im Sommer schafft sie das ganz allein, nur beim Fellwechsel sollte man ihr ein wenig zur Hand gehen.

Rassekatze für Allergiker?

Die Sibirische Katze gilt als allergikerfreundliche Katze. Und tatsächlich scheint es so, dass es viele Beispiele gibt, wo Menschen beschwerdefrei bleiben und nicht auf die Katzen reagieren. Verantwortlich dafür ist ein bestimmtes Enzym, das bei Sibiriern nur in geringem Maße vorhanden ist. Es handelt sich um das Protein Fel-d1, auf das Allergiker reagieren. Es befindet sich im Speichel und wird durch das Putzen auf dem Fell und im gesamten Umfeld der Katze verteilt.

Allerdings sollte man sich dafür hüten, das Ganze als absolut zu sehen. Jeder Mensch reagiert einfach anders, so wie sich ja auch die Symptome einer Allergie ganz unterschiedlich zeigen. Daher sollte man sich vor dem Kauf in jedem Fall mal selbst testen. Besuche also den Züchter und schau was passiert. Manchmal ist es auch so, dass man auf eine Katze reagiert, auf eine andere aber gar nicht. Auf Nummer sicher gehst du, wenn du eine Fellprobe des potentiellen Kätzchens zum Allergologen mitnimmst und testen lässt. Bitte kaufe keine Sibirische Katze auf gut Glück. Wenn das schief geht, musst du sie womöglich wieder abgeben: Dann bist du traurig und sie landet im Tierheim.

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